Johannes Agnoli: Verschandeltes Liedgut der Arbeiterbewegung (2000)
Es war zu Weihnachten – soweit ich mich erinnern kann – 1963, als Heinz Brakemeier mich ins Hessische zu einer Tagung der Naturfreundejugend einlud. Dort traf ich und lernte ihn kennen: Leo Kofler. Wir waren nicht in allen Punkten einig, wir verstanden uns aber sehr schnell. Eines Abends, nach einem schönen Chor-Konzert der jungen Naturfreunde hoben wir drei älteren, Heinz, Leo und ich, zum Gesang an: die Internationale. Wir sangen mit Überzeugung zwar, aber falsch, ungeübt und wohl auch etwas angeheitert. Am nächsten Tag wurde uns der Prozess gemacht: wir hätten Liedgut der Arbeiterbewegung verschandelt! Liedgut? Wir dachten naiver Weise, die Internationale wäre ein Kampflied.
Grußwort an den Leo Kofler-Kongress 2000 in Bochum. Erstveröffentlichung in: Mitteilungen der Leo Kofler-Gesellschaft e.V., Heft 5, November 2002, S.3. [Vollständiger Nachdruck in Uwe Jakomeit u.a. (Hrsg.): Begegnungen mit Leo Kofler. Ein Lesebuch, Köln 2011] Der deutsch-italienische Politikwissenschaftler Johannes Agnoli (1925-2003) war einer der herausragenden Vordenker der Neuen Linken.
