Ein Leben in Büchern

1944

Die Wissenschaft von der Gesellschaft. Umriss einer Methodenlehre der dialektischen Soziologie

Buchcover „Die Wissenschaft von der Gesellschaft“ von Leo Kofler, 1944

Leo Koflers Erstlingswerk Die Wissenschaft von der Gesellschaft versteht sich als Umriss einer Methodenlehre der dialektischen Soziologie (so der Untertitel) und erscheint 1944 in der Schweiz. In drei großen Abschnitten setzt sich Kofler mit der zeitgenössischen Gesellschaftswissenschaft und den Grundlagen einer marxistischen Gesellschaftstheorie auseinander. Im ersten Teil („Theorie“) behandelt er die Rolle der Dialektik als einer Subjekt-Objekt-Theorie in der „bürgerlichen“ wie der marxistischen Diskussion und versucht dabei, einen dialektischen Verstehens-Begriff zu entfalten. Im zweiten Teil („Theorie und Praxis“) fragt er nach Verbindungen von Theorie und Praxis und grenzt sich ab sowohl gegen positivistische und neo-romantische wie auch gegen vulgärmarxistische und psychologistische Lösungsversuche des Theorie-Praxis-Problems. Im dritten Teil („Praxis“) verdeutlicht er schließlich, welche Rolle die Ziel-Idee für eine solche marxistische Gesellschaftswissenschaft hat und wie sich diese auf die Möglichkeiten gesellschaftsumwälzender (revolutionärer) Politik und das Ideologie-Problem auswirkt. Erkenntnistheoretisch verstanden sind ihm Theorie und Praxis eine Einheit – der Mensch nicht nur ein Objekt, sondern auch ein tätiges Subjekt der Geschichte. Koflers Buch reiht sich damit ein in die damaligen Versuche einer Erneuerung der marxistischen Theorie jenseits von Sozialdemokratie (kautskyanisches Marxismus-Verständnis) und Kommunismus (stalinsches Marxismus-Verständnis) – die man später mit Begriffen wie „intellektueller“, „westlicher“ oder „Neo-Marxismus“ zu fassen versucht.

Bei der Veröffentlichung des Buches war Kofler war gerade 37 Jahre alt geworden und lebte als Flüchtling (vor dem deutschen Faschismus) in der Schweizer Grenzstadt Basel. Hierhin war der jüdische Sozialist 1938 aus seiner Heimatstadt Wien geflohen und hatte in den Jahren 1940 bis 1942 an dem Buch gearbeitet. Es erscheint 1944, unter dem Pseudonym Stanislaw Warynski und mit einem Geleitwort Konrad Farners, in dem renommierten Berner Verlag A. Francke und findet schnell eine ausgesprochen lobende Aufnahme in der Fachöffentlichkeit. Nach „1968“ erlebt es zuerst einen Raubdruck und dann, 1971 und 1974 zwei Auflagen im Frankfurter makol-Verlag.

1944

1948

Zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Versuch einer „verstehenden“ Betrachtung der Neuzeit nach dem historischen Materialismus

Buchcover „Zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft“ von Leo Kofler, 1948

Koflers zweites Buch, eine monumentale Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft, spannt den Bogen vom frühen Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In fünf unterschiedlich starken Teilen behandelt es die Sozial- und Ideengeschichte des bürgerlichen Individualismus, wie er sich aus der strengen kirchlichen Gebundenheit des mittelalterlichen Denkens und Lebens herausentwickelt und zu einem zunehmend gesellschaftsumwälzenden (revolutionären) Bewusstsein seiner selbst kommt. Die historisch vorwärtsweisende Reise geht über das Mittelalter und den sogenannten fortschrittlichen Absolutismus, über den Renaissance-Humanismus und die Ketzerbewegungen bis zur englischen Revolution. Es behandelt dann Calvinismus und Luthertum, geht ausführlich auf die Sozialphilosophien des 17. und 18. Jahrhunderts ein, vergleicht die englische mit der deutschen und preußischen Geschichte und kulminiert in einer umfassenden Analyse des klassischen und nachklassischen bürgerlichen Humanismus und seiner historischen und theoretischen Schranken. Vor dem Hintergrund dieses Parforcerittes durch die Geschichte entfaltet er schließlich die Notwendigkeit und die Konturen eines explizit sozialistischen Humanismus-Verständnisses, wie er es in Karl Marx‘ Kritik der politischen Emanzipation verkörpert sieht. Und in einem langen methodologischen Einleitungskapitel (das in späteren Auflagen z.T. stark gekürzt wurde) legt er die Bedeutung seiner materialistisch-dialektischen Methode für eine solch kritische Geschichtswissenschaft dar. In Opposition zur positivistischen Wissenschaftstradition versteht Kofler hier die quellenmäßigen „Tatsachen“ als Momente einer reich gegliederten Totalität in einem historischen Entwicklungsprozess, in dem sich auch das denkend tätige Individuum als Moment der Tätigkeit oder Selbstverwirklichung des historischen Subjekts zu verstehen vermag. So steht am Ende nicht nur eine faszinierende Geschichte von Gesellschaften, Nationen und Klassen, sondern auch von Ideen und Ideologien.

Das Buch wird 1948 in hoher Auflage in der Noch-Nicht-DDR veröffentlicht und führt dort, nachdem Kofler in die zweite Auflage umfangreiche Worte der Kritik am damals noch jungen SED-Dogmatismus einfließen lässt, zu schweren Auseinandersetzungen mit dem sich herausbildenden DDR-Stalinismus. Der Hallenser Geschichtsprofessor bekommt daraufhin Anfang 1950 Berufsverbot und muss Ende desselben Jahres in den deutschen Westen, nach Köln, fliehen, um sich der drohenden Verhaftung zu entziehen. 1966 erscheint dann im Luchterhand-Verlag eine dritte, überarbeitete Auflage des Werkes (mit dem entschlackten Untertitel „Versuch einer verstehenden Deutung der Neuzeit“), die bis in die 1980er Jahre hinein zahllose (aber zunehmend gekürzte) Auflagen erleben und Koflers bekanntestes Werk werden sollte – bevor die Schrift 1992 erstmals wieder vollständig, nun im Ostberliner Dietz-Verlag und als zweibändige Ausgabe, erscheint.

1948

1951/52

Vier Broschüren wider den Stalinismus

Broschüre „Der Fall Lukács. Georg Lukács und der Stalinismus“ von Leo Kofler, 1951 Broschüre „Marxismus und Sprache“ von Leo Kofler, 1952

Broschüre „Das Wesen und die Rolle der stalinistischen Bürokratie“ von Leo Kofler, 1952

Mit Marxistischer oder stalinistischer Marxismus? Eine Betrachtung über die Verfälschung der marxistischen Lehre durch die stalinistische Bürokratie; Der Fall Lukacs. Georg Lukacs und der Stalinismus; Das Wesen und die Rolle der stalinistischen Bürokratie; sowie Marxismus und Sprache. Zu Stalins Untersuchung „Über den Marxismus in der Sprachwissenschaft“ erscheinen 1951/52 mehrere Broschüren zu einer marxistischen Kritik des Stalinismus (teilweise unter dem Pseudonym Jules Dévérité), in denen Kofler nicht nur seine persönlichen Erfahrungen in der noch jungen DDR verarbeitet, aus der er gerade hatte fliehen müssen. Vor allem legt er hier mehrere originelle Beiträge zur Stalinismus-Analyse im 20. Jahrhundert vor, in denen er jene ebenso damals wie heute übliche Methodik beklagt, die sich „überwiegend mit der Sammlung, Prüfung und Ordnung der Tatsachen“ begnügt, „das Ganze, das zusammenhängende Geschehen damit bestenfalls oberflächlich beschreibend, ohne in die inneren, mit dem Wesen der Erscheinungen zusammenfallenden und aus der einheitlichen Dynamik des Ganzen erfließenden Zusammenhänge Einsicht zu gewinnen“. Von einer marxistisch-sozialistischen Bürokratiekritik ausgehend, leitet er deswegen in diesen Schriften zu einer umfassenden Ideologiekritik des ebenso bürokratischen wie vulgärmaterialistischen (stalinistischen) Marxismus-Verständnis des „Marxismus-Leninismus“ über. Der Marxismus-Leninismus ist ihm dabei der Ausfluss eines „engen und geistlosen Praktizismus“ einer „in der Zwischenepoche des Übergangs von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaftsordnung“ entstandenen (und an diese schicksalhaft gebundenen) bürokratischen Schicht – eine dogmatisierte Legitimationsideologie, die einem wahren Marxismus-Verständnis Gewalt antut, weil sie allzeit und strukturell undialektisch, mechanistisch, antihumanistisch und antiemanzipativ ist.

Die vier Broschüren entfalten in den 1950er Jahren eine nur geringe Wirkung. Zwei von ihnen (die dritte und vierte) werden 1970, in leicht ergänzter Form, in dem Band Stalinismus und Bürokratie. Zwei Aufsätze im Luchterhand-Verlag neu aufgelegt, die dritte nochmals (in leicht gekürzter Form) in der von Christoph Jünke 2017 im Neuen ISP-Verlag herausgegebenen Anthologie Marxistische Stalinismus-Kritik im 20. Jahrhundert.

1951/52

1953

Das soziale Werden der Gegenwart. Eine Einführung in die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft

Buchcover „Das soziale Werden der Gegenwart“ von Leo Kofler, 1953

Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten will, muss auch die Vergangenheit kennen. Aus diesem Geiste heraus schreibt Kofler 1953 eine von der Naturfreundejugend veröffentlichte Broschüre über das fast tausendjährige soziale Werden der Gegenwart, also eine Einführung in die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft (so der Untertitel der ersten Auflage). Die Schrift richtet sich vor allem an Einsteiger und Jugendliche und ist, anders als in seiner monumentalen Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft von 1948, stärker sozialgeschichtlich als ideengeschichtlich ausgerichtet. Einem Lern- und Lehrbuch gleich behandelt Kofler hier die Sozialgeschichte des Feudalismus, der Renaissance und der Manufakturperiode, bevor er das Zeitalter der industriellen Revolution, den Liberalismus und den Imperialismus darstellt.

Die Broschüre erscheint 1956 in leicht überarbeiteter Fassung und mit dem neuen Untertitel Ein Gang durch die Neuzeit im Kogge-Verlag und erlebt 1972 eine dritte Auflage im Vertrieb des Sozialistischen Büros (unter dem neuen Titel Vom Handelskapitalismus zum Neo-Imperialismus der Gegenwart. Eine Einführung in die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft). Als Ko-Autor taucht dort Andreas Buro auf, der Koflers alte Ausgabe kürzt und um ein neues, umfangreiches Kapitel über die Zeit von Ende des 19.Jahrhunderts bis zur Gegenwart ergänzt.

1953

1954

Menschlichkeit, Freiheit, Persönlichkeit. Eine Einführung in den sozialistischen Humanismus

Broschüre „Menschlichkeit, Freiheit, Persönlichkeit“ von Leo Kofler, 1954 Gegen die zu Beginn der 1950er Jahre (mit dem Kalten Krieg) machtvoll aufkommenden antimarxistischen Schriften bürgerlicher (und sozialdemokratischer) Sozialphilosophen soll die 1954 erstmals veröffentlichte Broschüre Menschlichkeit, Freiheit, Persönlichkeit. Eine Einführung in den sozialistischen Humanismus, so Kofler, „der lehrenden Einführung in das sozialistische Gedankengut“ dienen, „wie es sich von seiner humanistischen, d.h. hier die verborgene Wesenheit des Menschen, seine ‚Selbstverwirklichung‘ und seine sittliche Existenz betreffenden Seite darstellt“. Die „humanistisch-ethische Grundorientierung der marxistischen Lehre“ liege „geradezu auf der Hand“, denn sie gehe vom Menschen aus, stelle diesen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und enthalte auch „ein eigenes ausgebildetes System des Humanismus“. „Die Wurzel für den Menschen aber ist der Mensch selbst“, zitiert Kofler Marx. Und dieser sehe den Schlüssel zur gesellschaftlichen und historischen Erkenntnis nicht im „Materiellen“ oder „in der Materie“, sondern in den gesellschaftlichen Verhältnissen und ihren historischen Widersprüchen. Entsprechend reflektiert Kofler hier in neun Kapiteln über die Zusammenhänge von Geschichte, Fortschritt und Freiheit, entfaltet seine Lehre von den drei Hauptstufen der Freiheit (die bürgerliche Stufe, die Stufe der sozialen Demokratie und die des Sozialismus), und analysiert den herrschenden Materialismus des spätbürgerlichen Denkens und die Perspektiven einer freiheitlichen „Entmaterialisierung“ des Menschen als einem ebenso natürlichen wie kulturellen Gattungswesen. Er ist damit der erste deutschsprachige Nachkriegsmarxist, der sich explizit und theoretisch ausgefeilt zum Theoretiker jenes „sozialistischen Humanismus“ erklärt, der als Ideenströmung in den 1950er und 1960er Jahren weltweit – im kapitalistischen Westen, im realsozialistischen Osten und im kolonialen Süden – aufkommt.

Die Broschüre wird 1957, in leicht überarbeiteter Form, von der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Sozialistische Studien, unter dem Titel Perspektiven des Sozialistischen Humanismus (nun also mit einem großen „S“) neu aufgelegt und geht dann 1968, in gründlich überarbeiteter und erweiterter Fassung in Koflers Schrift Perspektiven des revolutionären Humanismus ein. Dann wird er auch offen und ausführlich davon sprechen, dass die (erkenntnis-)theoretische Grundlage eines solch revolutionären Sozialistischen Humanismus die Entfaltung einer marxistisch begriffenen philosophischen Anthropologie bilden muss.

1954

1955

Marxistischer oder ethischer Sozialismus?

Buchcover „Marxistischer oder ethischer Sozialismus?“ von Leo Kofler, 1955 Im Jahre 1954 lud die der Sozialdemokratischen Partei zugehörende Sozialistische Hochschulgemeinschaft Hessen Kofler zu einer Vortragsreihe über „Marxismus heute“ an die Frankfurter Universität ein. Nach der abermals verlorenen Bundestagswahl Ende 1953 und dem endgültigen Scheitern der sozialdemokratischen Nachkriegshoffnungen hatte sich eine umfassende und tiefgreifende Diskussion über die Lage und Zukunft der sich damals noch sozialistisch verstehenden SPD entfaltet. Kofler, der sich als Linkssozialist am linken Rand der SPD und der Gewerkschaften bewegte, unternimmt es in diesen Vorlesungen, ein sowohl gegen bürgerlich-konservative wie auch gegen sozialdemokratisch-revisionistische Interpreten gerichtetes modernes Marxismus- und Sozialismus-Verständnis darzustellen. Ausführlich behandelt er dabei das zeitgenössische Verhältnis von Kapitalismus und Verdinglichung/Entfremdung, die Lage des modernen Proletariats und seiner politisch gespaltenen Arbeiterbewegung sowie andere große Fragen seiner Zeit. Vor allem jedoch greift er dabei jenen „ethischen Sozialismus“ führender Sozialdemokraten ausführlich und philosophisch fundiert an, der sich damals gerade auf den „Weg nach Bad Godesberg“ machte, um den vermeintlich traditionellen (d.h. sozialistisch-marxistischen) „Ballast abzuwerfen“, wie es Carlo Schmid Ende 1953 formuliert hatte. „Der einst wegen seiner theoretischen Leistungen in der ganzen Welt hoch angesehene deutsche Sozialismus hat heute keine Theorie“, so Kofler im Vorwort dieser Buchfassung seiner Vorlesungen. So seien „in den so entstandenen leeren Raum andere Lehren vielfach höchst unbestimmter und oft vulgär-praktizistischer Art“ eingeflossen, die es im Sinne eines humanistischen Marxismus-Verständnisses theoretisch zu kritisieren und praktisch zu überwinden gelte.

Die 1955, im Verlag der linkssozialistischen Zeitschrift „Sozialistische Politik“ erschienene Schrift geht dann später in das im Wiener Europa-Verlag 1964 veröffentlichte Buch Der proletarische Bürger. Marxistischer oder ethischer Sozialismus? ein.

1955

1955

Geschichte und Dialektik. Zur Methodenlehre der dialektischen Geschichtsbetrachtung

Buchcover „Geschichte und Dialektik“ von Leo Kofler, Neuausgabe 1970 (1) Buchcover „Geschichte und Dialektik“ von Leo Kofler, Neuausgabe 1970 (2) Buchcover „Geschichte und Dialektik“ von Leo Kofler, Neuausgabe 1973 „Wer zu hören versteht“, schreibt Kofler in der Einleitung zu diesem 1955 erstmals erschienenen Grundlagenwerk, „kann das verstärkte Brodeln nicht überhören, das neuerdings in der Tiefe der historischen Gelehrtenwelt die Gemüter erregt“. Einmal mehr gehe es „um die Frage nach dem Sinn, den Grenzen und die Methode der Geschichtswissenschaft“. In seiner Schrift Geschichte und Dialektik. Zur Methodenlehre der dialektischen Geschichtsbetrachtung geht es ihm deswegen darum, „die Geschichtswissenschaft erkenntnistheoretisch zu unterbauen“, und er vertieft auf diesem Wege seine 1944 veröffentlichte Erstlingsarbeit Die Wissenschaft von der Gesellschaft. Beide Schriften sind jedoch soziologisch oder geschichtswissenschaftlich nur im groben Sinne. Faktisch haben wir es dabei vor allem mit Einführungsschriften in die marxistische Methodologie zu tun. Und diese Methodik ist wesentlich gekennzeichnet durch die Rekonstruktion einer marxistischen Dialektik, die zwischen Theorie und Praxis, Basis und Überbau, Ideologie und Ökonomie nicht mechanisch trennt. „Die mechanistische Deutung des historischen Materialismus übersieht“, so Kofler, „dass trotz der Bestimmtheit der Ideologie durch die Ökonomie der historische Gesamtprozess seine Bewegung nicht anders vollziehen kann als mittels der Ideologie, die eben ein wesentliches, zu seiner Gesetzlichkeit selbst gehörendes Moment dieses Prozesses darstellt.“ Gesellschaftliches Leben begreift sich für ihn im Ideologischen, im Geistigen selbst — und zwar unabhängig davon, ob dieses Denken richtiges oder falsches Bewusstsein ist. So betrachtet bekommt auch das offensichtlich falsche Bewusstsein eine eminent praktisch-historische Wirkung und Bedeutung, denn solcherart Ideologie ist eine Form des Sichbewusstwerdens der Gesellschaft.

Entsprechend hatte Kofler sein geschichtswissenschaftliches Credo schon 1948, in seiner Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft dahingehend zusammengefasst, dass es dem Historiker nicht allein darauf ankommen könne, den historischen Schein nur zugunsten der Erkenntnis seines Wesens aufzulösen, sondern ebenso darum, „ihn als Schein in seiner historischen Funktionalität und damit Notwendigkeit zu erklären“. In seinem Buch Geschichte und Dialektik nun behandelt er nicht nur den Übergang vom subjektiven zum objektiven Idealismus, die Grundlagen der dialektischen Logik Hegels und von Feuerbachs Materialismus, sondern auch die Methode der konkreten Dialektik, die dialektische Struktur des Verstandes wie des historischen Materialismus sowie die Dialektik der Verdinglichung und den Fortschritt der Geschichtswissenschaft vom Beschreiben zum Erkennen. 1970, 1973 und 2004 erlebt das Buch weitere Auflagen in anderen Verlagen und wurde auch in andere Sprachen übersetzt.

1955

1957

Ist der Marxismus überholt? & Perspektiven des Sozialistischen Humanismus

Broschüre „Ist der Marxismus überholt?“ von Leo Kofler, 1957 Broschüre „Perspektiven des sozialistischen Humanismus“ von Leo Kofler, 1957

Im Jahre 1957 erscheinen von Leo Kofler zwei kleinere Broschüren, die heute, aufgrund der geringen Auflage, nur noch sehr selten zu finden sind in Antiquariaten. Auch ihr Kontext ist von besonderem Interesse, handelt es sich doch dabei um Veröffentlichungen der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Sozialistische Studien, die 1955/56 in Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern gegründet wurde. Diese International Society for Socialist Studies (ISSS) war der insgesamt kurzlebige und gescheiterte Versuch einer politisch-intellektuellen Koordination dessen, was später die erste Generation der Neuen Linken genannt werden sollte. Führend beteiligt an der westdeutschen Sektion waren, neben den Linkssozialisten Kofler und Fritz Kief, der 1955 aus der Gewerkschaftsbewegung verdrängte linke Sozialdemokrat Viktor Agartz sowie Gerhard Gleissberg, der zur gleichen Zeit aus der Sozialdemokratischen Partei ausgestoßene Chefredakteur des Neuen Vorwärts, der ab 1955 die Andere Zeitung (AZ) herausgab und redaktionell führte. Kofler veröffentlichte viele seiner damaligen Artikel und Aufsätze in dieser AZ und in der von Agartz herausgegebenen Zeitschrift WISO – Korrespondenz für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, und er beteiligte sich als linkssozialistischer Intellektueller an der deutschen Sektion der ISSS, die, neben Broschüren von Douglas Cole und Viktor Agartz auch seine Broschüren vertrieb.

Bildet die Schrift Perspektiven des Sozialistischen Humanismus die erweiterte Fassung einer zuerst 1954 erschienenen Broschüre (siehe oben), in der er die Grundlagen der marxistischen Theorie von einer explizit sozialistisch-humanistischen Perspektive aus betrachtete, versammelt die Broschüre Ist der Marxismus überholt? einige der zuvor in der WISO und der AZ veröffentlichten Aufsätze über den damals gerade aufkommenden Neokapitalismus, über das in diesem veränderte Verhältnis von Staat und Gesellschaft und die Rolle des herrschenden Bürgertums. Kofler versteht diese Publikation als einen Beitrag zur damals viel diskutierten Frage, „ob der Marxismus unter den im Vergleich zum 19. Jahrhundert veränderten Bedingungen noch seine Geltung bewahrt habe oder bereits überholt sei“.

1957

1960

Staat, Gesellschaft und Elite zwischen Humanismus und Nihilismus

Buchcover „Marxistische Staatstheorie“ von Leo Kofler, 1970 (Neuausgabe von „Staat, Gesellschaft und Elite“) In seiner 1960 erstmals erschienenen Schrift Staat, Gesellschaft und Elite zwischen Humanismus und Nihilismus kommt es Kofler, wie er in der Einleitung (zur ersten Auflage) schreibt, „entsprechend seiner methodologischen Grundeinstellung in erster Linie auf ein ganzheitliches Verständnis der modernen bürgerlichen Gesellschaft an (…) Der Autor ist weit davon entfernt, endgültige Lösungen geben zu wollen. Aber seine Interpretationen stellen Versuche dar, die solche Erscheinungen wie Staat, Bürokratie, Elite, Intelligenz usw. in ein anderes als das gewohnte Licht stellen, obgleich an manchem angeknüpft wird, was aus der Tradition kommt.“ Im ersten Teil („Der Staat“) behandelt er deswegen zuerst den Staat als konzeptionelle Einheit von bürgerlicher Elite, Bürokratie und Intelligenz, während der zweite Teil („Die Gesellschaft“) von der historischen Beschränkung der bürgerlich-demokratischen Wahlrechtsbewegungen als einem Wesensmerkmal klassengebundener Demokratieformen handelt und den sich in der latenten Spannung von Bourgeois und Citoyen niederschlagenden strukturellen Widerspruch zwischen moderatem Liberalismus und radikalem Demokratismus darstellt. Ausführlich geht Kofler in diesem Teil auch auf die allgemeine Pauperisierung des Menschen und das Wesen des modernen Proletariats im aufkommenden „Wohlfahrtsstaat“ ein und diskutiert dabei u.a. das Verhältnis von Karl Marx zu Ernst Jünger. Im dritten und letzten Teil („Das Problem der progressiven Elite“) schließlich geht er erstmals in aller Ausführlichkeit auf seine Theorie einer progressiven Elite als eines historisch neuartigen Phänomens ein. Diese neuen Humanisten oder Progressiven sind ihm eine notwendige Antwort auf eine in dieser Form neuartige Gesellschaftsverfassung, die von einem tiefgreifenden und nachhaltigen Pessimismus und Zynismus (Kofler spricht hier von Nihilismus) durchdrungen ist. Eine solch neue, progressive/humanistische Elite (den Begriff der Elite meint er hier nicht wertend, sondernd beschreibend) bilde entsprechend auch eine neue Linke, die jenseits der beiden Hauptströmungen der strukturell verbürokratisierten Arbeiterbewegung in einem radikal-humanistischen Sinne neu ansetze, um die politischen Halbheiten und Fehler sozialdemokratischer und kommunistischer Oppositionsströmungen historisch zu überwinden. Ausführlich reflektiert er dabei auch die philosophisch-anthropologischen Grundlagen eines solchen neosozialistischen Freiheitsbegriffes und die Perspektiven eines notwendigen Verschwindens jeder Form von „Elite“ oder „Avantgarde“ in der sozialistischen Zukunft.

Das 400 Seiten starke Buch zur humanistischen Kritik zynischer Vernunft erscheint damals in dem kleinen, linkssozialistischen A.J. Schottola-Verlag in Ulm und wurde von der bürgerlichen Öffentlichkeit ebenso weitgehend links liegengelassen wie von der nachhaltig marginalisierten und zerstrittenen westdeutschen Linken. Nichts desto trotz untersucht Kofler hier, auf ausgesprochen originelle Weise, die grundlegenden Charakteristika des aufkommenden „Spätkapitalismus“ und nimmt dabei wesentliche Themen und Thesen der späteren APO vorweg. 1970 wurde die Schrift, wie Kofler in der 1986 unter dem Titel Vergeistigung der Herrschaft erfolgten (zweibändigen) dritten Auflage schreibt, „unter dem nicht ganz zutreffenden Titel ‚Marxistische Staatstheorie‘ nochmals der Öffentlichkeit übergeben“.

1960

1959-1961

Drei Broschüren zu Aspekten des Neokapitalismus

Broschüre „Die beiden Eliten zwischen Nihilismus und Humanismus“ von Leo Kofler, 1959 Broschüre „Ende der Philosophie“ von Leo Kofler, 1961 (1) Broschüre „Ende der Philosophie“ von Leo Kofler, 1961 (2) Um die Schrift Staat, Gesellschaft und Elite zwischen Humanismus und Nihilismus herum entstanden 1959, 1960 und 1961 drei kleine Broschüren, die in der Reihe Dortmunder Vorträge vom Kulturamt Dortmund herausgegeben wurden. In der ersten (Die beiden Eliten zwischen Nihilismus und Humanismus, 1959) diskutiert Kofler die Dialektik von antihumanistisch-bürgerlicher und humanistisch-sozialistischer „Elite“ im Neokapitalismus (also das Problem, wie sich in diesem „Spätkapitalismus“ herrschende und oppositionelle Eliten zueinander verhalten) und die Notwendigkeit, dem herrschenden Zynismus/Nihilismus einen aufgeklärten, radikalen Humanismus entgegenzusetzen. Die zweite Broschüre (Die drei menschlichen Tragödien des 20. Jahrhunderts und das Problem der Bildung, 1960) vertieft diesen Ansatz, in dem sie die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse vom Problem der Bildung und der Bildungsarbeit her denkt. Kofler behandelt hier die Ursachen der modernen „Geistlosigkeit“ des Arbeiters, seinen Habitus gespielter Unbildung und stellt dieses Phänomen in Beziehung zur „Bildungswut“ des Kleinbürgers und zum schöngeistigen Bildungshabitus der intellektuellen Eliten. Scharf kritisiert er hier das sogenannte „falsche Bewusstsein der Bildung“ und liefert damit einen originellen Beitrag zu einer emanzipativen Bildungstheorie- und praxis. In der dritten Broschüre (Das Ende der Philosophie?) schließlich geht er zur Frage der historischen Wandlungen von bürgerlicher und marxistischer Philosophieauffassung über und verdeutlicht dabei, dass und inwiefern die marxistische Theorie eine Philosophie der Praxis ist, die sich auf die Subjekt-Objekt-Dialektik stützt und stützen muss.

Ging die erste Broschüre in überarbeiteter Fassung in das Buch Staat, Gesellschaft und Elite zwischen Humanismus und Nihilismus von 1960 ein, wurden die beiden anderen Texte in die 1972 erschienene Aufsatzsammlung Zur Dialektik der Kultur. Sechs Beiträge übernommen.

1959-1961

1962

Zur Theorie der modernen Literatur. Der Avantgardismus in soziologischer Sicht

Buchcover „Zur Theorie der modernen Literatur“ von Leo Kofler, 1962 Man spreche der modernen Literatur, schreibt Kofler im Vorwort zu der 1962 erschienenen Schrift Zur Theorie der modernen Literatur „die Eigenschaft zu, von zutiefst enthüllender Gewalt zu sein. Das ist zu untersuchen. Wir erlauben uns, dies unter Ausklammerung ganz weniger Ausnahmen zu bestreiten.“ Der innerste Kern dieses solcherart von ihm sezierten literarischen Avantgardismus sei „das Nichtfertigwerden mit dem ‚Geheimnis‘ der modernen Entfremdung“, wie er in neun Kapiteln verdeutlicht. Nach einem Rückblick auf die 1920er Jahre und auf das epische Theater verdeutlicht er die modernen Spannungen zwischen einem „humanistischen“ und einem „nihilistischen“ Theater, zwischen der klassischen realistischen und der modernen avantgardistischen Literatur, bietet eine Soziologie des Arbeiters, Kleinbürgers und Bürgers als möglichen Gegenständen einer realistischen Kunst und greift ein in die damalige Ästhetik-Debatte zwischen Adorno und Lukács, bei welcher er sich prinzipiell auf die Seite von Lukács stellt, aber auch an diesem weitreichende Kritik übt. „Die beiden entscheidenden Pole sind Realismus und Avantgardismus“, schreibt er: „Nur in Brecht, der wesentlich Realist bleibt, treffen sie sich in origineller Weise. Er und Kafka sind die beiden großen Ausnahmen, die einer besonderen Behandlung bedürfen.“ Brecht verkörpert dabei für ihn fast schon paradigmatisch die Stärken jener „progressiven Elite“, die er in den Arbeiten zuvor als Umschreibung einer Neuen Linken gefasst hat. Nachdem er also in den beiden abschließenden Kapiteln die Werke von Franz Kafka und Bertolt Brecht behandelt, verneigt er sich abschließend noch vor dem damals populären Literaturtheoretiker Wilhelm Emrich.

Erschien die erste Auflage dieses Werkes im renommierten Luchterhand-Verlag – Koflers erstes Eindringen in die „bürgerliche“ Reputation seiner Zeit –, veröffentlichte der Bertelsmann Universitätsverlag im Jahre 1974 die zweite Auflage dieses Buches.

1962

1964

Der proletarische Bürger. Marxistischer oder ethischer Sozialismus?

Buchcover „Der proletarische Bürger“ von Leo Kofler, 1964 In gewissem Sinne nimmt das von Kofler 1964 veröffentlichte Werk Der Proletarische Bürger. Marxistischer oder ethischer Sozialismus?, zusammen mit dem drei Jahre später erscheinenden Werk Der asketische Eros. Industriekultur und Ideologie (siehe unten), eine Sonderstellung in seinem Gesamtwerk ein. Beide Bücher bilden so etwas wie ein zusammenhängendes Ganzes, das fast sämtliche Themen seines Lebenswerkes in ebenso konzentrierter wie abgerundeter, gut lesbarer Form vereinigt. Das Buch Der proletarische Bürger nimmt in seinem zweiten Teil große Teile der bereits 1955 erschienenen Schrift Marxistischer oder ethischer Sozialismus? wieder auf, also Koflers umfassende und grundlegende Kritik des sozialdemokratischen Revisionismus der 1950er Jahre (den „ethischen Sozialismus“) wieder auf und ergänzt dies im ersten Teil um eine ebenso umfangreiche Untersuchung der neueren Tendenzen neokapitalistischer Gesellschaftsintegration. Der Leser, die Leserin, findet hier nicht nur die Untersuchung der sich unter „spätkapitalistischen“ Bedingungen verändernden Verhältnisse von Kapitalismus und Verdinglichung, Entfremdung und Ideologie, Staat und Gesellschaft, sondern auch Reflektionen über die Widersprüche zwischen der „nihilistischen“ und der „humanistischen“ Elite, über das Verhältnis von Humanismus und Utopie und das Spannungsverhältnis von Dialektik und Positivismus.

Hinter diesen Abhandlungen verbirgt sich eine weitreichende Neubetrachtung nicht nur des Verhältnisses von „Basis“ und „Überbau“ und der veränderten Rolle des Intellektuellen „in unserer Zeit“. Vor allem Koflers polemische Schärfe gegen den „theoriefeindlichen Praktizismus“ des arbeiterbewegten Milieus auf der einen und den anti-humanistischen Theoretizismus der neuen, nonkonformistisch daherkommenden neokonformistischen Linksintellektuellen auf der anderen Seite sollten ihm fortan – bei Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und Jungintellektuellen der Frankfurter Soziologen-Schule gleichermaßen – den etwas abschätzigen Ruf eines linken Querdenkers sichern. Und doch, oder gerade deswegen, handelt es sich beim Proletarischen Bürger um ein machtvolles Plädoyer gegen jede Form des theoriefeindlichen Praktizismus auf der politischen und gewerkschaftlichen Linken. „An die Stelle der Theorie“ formuliert er es der Sozialphilosoph und Gesellschaftstheoretiker in seinem Vorwort, „ist die Bürokratie, an jene der Aufklärung und humanistischen Erziehung die Sorge um das ‚Funktionieren‘ des Bestehenden getreten. Die Köpfe sollen nicht mehr durch Philosophie erhellt, sondern durch Anpassung ‚gewonnen‘ werden – nach dem eingestandenen Vorbild der Marktwerbung. Der im verdinglichten Prozess befangene ‚Fachmann‘ hat den Lehrer verdrängt. So will man gegen den Kommunismus und den Faschismus bestehen – längst nicht mehr gegen die bürgerliche Welt insgesamt, deren Entfremdung und Dekadenz man durch Unkenntnis und, wenn man auf Grund gewisser Traditionen etwas klüger ist, durch Darüber-hinweg-Schweigen ‚überwunden‘ zu haben glaubt.“

1964

1967

Der asketische Eros. Industriekultur und Ideologie

Buchcover „Der asketische Eros“ von Leo Kofler, 1967 Unter der Vorherrschaft einer Ideologie vermeintlicher Entideologisierung, so Kofler im Vorwort zu der 1967 veröffentlichten Schrift Der asketische Eros. Industriekultur und Ideologie, habe die gesellschaftswissenschaftliche Kategorie des Sozialen „ihre ursprüngliche Bestimmtheit“ verloren: „Die vornehmlichen Quellen der Integration in dem antagonistischen und repressiven Prozess sind nicht mehr sichtbarer Zwang und rational reflektierte Anpassung an das System der Unterdrückung, sondern irrationale Identifikation mit diesem System. (…) Die moderne hochbürgerliche Form der Repression verbirgt sich unter einem dichten Schleier scheinbar gewährter politischer und vor allem erotischer Freiheiten. Der gewährte Eros wird aber durch Unterwerfung und Verzicht im außerindividuellen Lebensbereich erkauft, und im Individuellen kommt es eben deshalb auch nicht zu jener Wirkung, die die Ideologie vortäuscht. Die Askese ist die Begleiterscheinung des Eros, vielfach ihn wieder ganz verdrängend.“

In zwei großen Abschnitten bietet das Buch ein beeindruckendes Panorama der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und ideengeschichtlichen Tendenzen des modernen „Neokapitalismus“ der fünfziger und sechziger Jahre. Im ersten Teil behandelt Kofler das Verhältnis von Philosophie und Anthropologie, von Naturwissenschaft und Gesellschaftstheorie und diskutiert dabei zahlreiche Vordenker einer zeitgenössischen Sozialphilosophie und Gesellschaftstheorie (u.a. Freud, Marx, Nietzsche, Adorno, Bloch, Marcuse, Sartre, Tillich, Habermas, Popitz, Dahrendorf) sowie die Frage, was sie zu einem besseren oder schlechteren Verständnis der Gegenwart beitragen können. Auch im zweiten Teil untersucht er einige Haupttendenzen der „hochbürgerlichen“ Ideologieproduktion mit den Mitteln seiner marxistischen Ideologiekritik. Es finden sich in diesem sozusagen hegemonietheoretischen Werk nicht nur gehaltvolle Auseinandersetzungen mit dem marxistischen Ideologiebegriff und dem Phänomen des Ideologischen, sondern auch mit Fragen der Literatur und Ästhetik, der Religion, der Ethik und des modernen, „enttabuisierten“ Eros. Des Näheren betrachtet, so Kofler, am Ende dieses weithin unterschätzten Werkes, „münden alle vorangehenden Formen der Frage nach dem richtigen Sichverhalten in die letzte, die der Ethik ein. Sie lässt sich aber nicht aus dem anthropologischen Zusammenhang herausnehmen, nicht von den [in diesem Buch detailliert aufgezeigten] anthropologischen Bestimmungen des Menschen isolieren. (…) Dieses Menschenbild stellt den Maßstab für das, was sein ‚soll‘, und da er in unserer Theorie ein Maßstab der Verwirklichung des Eros ist, der erotischen Selbstverwirklichung des Menschen, diese Selbstverwirklichung ihrerseits aber zusammenfällt mit Freiheit, wird hier die Frage nach der Ethik identisch mit der Frage nach der Freiheit.“ Und diese Freiheit, formuliert er einmal mehr sein politisches Credo, muss erkämpft werden: „Die unteren Klassen haben stets nur ein verändertes Bewusstsein gewonnen und sind stets nur aktiv geworden, wenn ein solches Bewusstsein in sie hineingetragen wurde. Der Träger eines solchen Bewusstseins ist stets ein Vortrupp oder eine Organisation. Versagen dieses, dann bleibt die ‚freiwillige‘ Integration in die bestehenden repressiven Zustände, vor allem ermöglicht durch das unerschütterte Weiterwirken der von diesen Zuständen hervorgebrachten Ideologie, das Normale, oft für längere Epochen. In unseren Tagen ist es nicht so sehr die Integration des arbeitenden Volkes als jene der Gewerkschaften (…) und der sozialistischen Parteien, die sich als das wahre Hindernis erweist.“

1967

1967

Gespräche mit Georg Lukács

Buchcover „Gespräche mit Georg Lukács“ (mit Wolfgang Abendroth, Hans Heinz Holz und Leo Kofler), deutsche Ausgabe 1967 Buchcover „Gespräche mit Georg Lukács“, englische Ausgabe Buchcover „Gespräche mit Georg Lukács“, französische Ausgabe Im September 1966, soeben war im Luchterhand-Verlag seine monumentale Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft in einer überarbeiteten und gekürzten Fassung neu aufgelegt worden (siehe oben), hielt sich Kofler in Budapest auf, wo er auf Einladung von Theo Pinkus bei Georg Lukács, einem der bedeutendsten Marxisten des 20. Jahrhunderts, weilte, um diesen, zusammen mit Wolfgang Abendroth und Hans Heinz Holz mehrere Tage lang zu interviewen. In einer Zeit der zunehmenden gesellschaftlichen Politisierung und der Rückkehr eines massenhaften neuen Interesses an kritischer, marxistischer Gesellschaftstheorie wollten die Teilnehmer dieses Gespräches „Zeugnis geben von dem lebendigen Denken eines der Größen unseres Jahrhunderts und (…) Gelegenheit (…), sich diesem Denken auf eine möglichst einfache Weise zu nähern“. Anders als bei jenen jungen, zunehmend revoltierenden Studierenden stand hierbei allerdings nicht der „junge Lukács“, also der Georg Lukács von Geschichte und Klassenbewusstsein (1923) im Vordergrund, sondern der in den sechziger Jahren gern verschmähte „alte Lukács“, der weitgehend zurückgezogen an seinem umfangreichen Spätwerk über die Ästhetik, Ontologie und anderes arbeitete.

So kommt es, dass in diesem im Rowohlt-Verlag veröffentlichten Gesprächsband „erste und vorläufige Sonden“ in jenes geistige Zentrum gelegt werden, „in dem [Lukács] Auffassungen verwurzelt und begründet sind“. Geht es im Gespräch mit Hans Heinz Holz vor allem um den Zusammenhang von Lukács Ästhetik-Konzeption mit seinen geschichtsphilosophischen Voraussetzungen, also vor allem um die Realismus-Debatte und die Probleme einer Widerspiegelungstheorie, geht Wolfgang Abendroth wesentlich biografisch vor und befragt den Altmeister nach seinen praktisch-politischen Erfahrungen und dem Zusammenhang von Theorie und Praxis. Das Gespräch mit Kofler schließlich behandelt Fragen der allgemeinen Gesellschaftstheorie und Ideologiekritik, des Fortwirkens moderner Formen von Irrationalismus und seiner gesellschaftlichen Ursachen und Auswirkungen. Zu dem interessanten Ansatz einer Kontroverse zwischen Kofler und Lukács kommt es hier bei der interessanten Frage, ob denn kritische Marxisten nun, wie Kofler, an einer (philosophischen) Anthropologie oder, wie Georg Lukács, an einer Ontologie arbeiten sollten. Diese Diskussion hat an auch heutiger Aktualität sicherlich wenig verloren.

Spielte das Buch Gespräche mit Georg Lukács in den theoriepolitischen Selbstverständigungsdiskussionen der deutschen Linken keine nachweisbare Rolle, so muss festgehalten werden, dass es immerhin in diverse Sprachen übersetzt wurde – was Kofler zumindest partiell eine dortige Erwähnung sicherte.

1967

1968

Perspektiven des revolutionären Humanismus

Buchcover „Perspektiven des revolutionären Humanismus“ von Leo Kofler, 1968 Buchcover „Perspektiven des revolutionären Humanismus“ von Leo Kofler, Neuausgabe 2007 „Nichts kennzeichnet die Problematik einer spätkapitalistischen Gesellschaft deutlicher als die Tatsache, dass ihre Leistungen wie beispielsweise mehr Freizeit, höheres Einkommen sowie der Abbau sexueller Tabus sich letztlich nur als neue Form der Repression erweisen.“ Mit seiner Invektive gegen einen Zustand der Entideologisierung, „der sich als Faktor totaler Ideologisierung enthüllt“, bietet Kofler in diesem Buch eine am Ende des mythischen Jahres 1968 veröffentlichte Programmschrift zu den Perspektiven eines revolutionären sozialistischen Humanismus (siehe oben), der stärker als bisher auch die Grundlagen einer explizit marxistisch verstandenen philosophischen Anthropologie entfaltet: „Sollen die Vorstellungen, die den Inhalt einer kritischen humanistischen Soziologie bilden, in ihrem Kern verständlich sein, so muss die theoretische Position eines auf dialektischem Totalitätsdenken beruhenden Systems ein streng durchdachtes anthropologisches Menschenbild zur Grundlage haben. Forderungen nach Freiheit, Fortschritt, humanistischer Demokratie, humanistischer Utopie, verwirklichter Individualität und klassenloser Gesellschaft sind nicht ausreichend zu begründen ohne Menschen, die sie kraft ihres humanistischen Selbstverständnisses verwirklichen können.“

In dem dreiteiligen Werk behandelt er zuerst die Grundlagen seiner philosophischen Anthropologie eines sozialistischen Humanismus und das Verhältnis von Geschichte, Freiheit und Fortschritt, bevor er dann die bürgerliche Freiheit und ihre modernen Verfallsformen analysiert. Seine Darstellung der drei welthistorischen Stufen von Freiheit und die daraus abgeleitete Kritik der traditionellen Hauptströmungen oppositioneller Arbeiterbewegung (SPD und KPD), seine Analyse des zeitgenössischen Verhältnisses von Theorie und Praxis, der Dialektik von manipuliertem und integriertem Gewissen wird hier abgerundet durch eine zeitlose Analyse der Marxschen Schrift zur Kritik der Judenfrage (als Kritik einer rein politischen Emanzipation). Vor allem werden hierbei die allzu oft als Antipoden vorgestellten marxistischen Vordenker Georg Lukács und Herbert Marcuse zusammengedacht und so Koflers Theorie der progressiven Elite als eines theoriepolitischen Angebots an die damals aufkommende „Neue Linke“ vertieft. Im dritten Teil des Buches behandelt er schließlich das sogenannte „Reich des Möglichen“ und entwickelt aus seiner Theorie der drei welthistorischen Hauptstufen der Freiheit und aus seinem ganzheitlichen Gesellschaftsverständnis heraus die methodologischen Leitlinien einer „Entmaterialisierung“ und Humanisierung des Menschen und seiner menschlichen Welt.

Das 1968 im Rowohlt-Verlag erschienene Buch erlebte 2007, zu Koflers hundertstem Geburtstag, im Neuen ISP-Verlag eine Neuauflage.

1968

1970

Abstrakte Kunst und absurde Literatur. Ästhetische Marginalien

Buchcover „Abstrakte Kunst und absurde Literatur“ von Leo Kofler, 1970 Das 1970 im Europa-Verlag erschienene Werk Abstrakte Kunst und absurde Literatur. Ästhetische Marginalien liest sich als Ergänzung von Koflers 1962 erschienener Theorie der absurden Literatur (siehe oben). Einmal mehr versucht es, die moderne abstrakte Kunst und ihre „absurde“ Literatur in Bezug zu setzen zu einer ideologiekritischen Reflexion gegenwärtiger gesellschaftlicher Prozesse. „Eine solche ernstzunehmende Inbezugsetzung“, so Kofler in der Einleitung, „ist bislang noch nicht versucht worden.“ Auf der Suche nach dem Wesen des Ästhetischen behandelt er hier, in zwölf Kapiteln, das Verhältnis von Ästhetik, Psychoanalyse und Anthropologie, von absurder Literatur und spätbürgerlicher Ideologie, von ästhetischer Form, Wahrheit und Ideologie. Er untersucht den Begriff des Allegorischen, die Beziehung von abstrakter Kunst und absurder Literatur und die moderne Entfremdung. Er diskutiert das epische Theater Brechts, sein „episches Subjekt“ und widmet sich dem Problem der Widerspiegelung und des Ästhetischen bei Georg Lukács und anderen Sozialphilosophen. Auch nach dem Gehalt des Begriffs des Allegorischen, nach dem, was Normalität ist und sein kann, und ob heute noch Tragödien möglich sind, wird hier gefragt.

„Der aus seiner Partei, der er seit seiner Jugend angehörte, ausgeschlossene Intellektuelle; der um das Recht der Mitglieder hilflos kämpfende und verleumdete Gewerkschaftsfunktionär; der in das Einzelgängertum gedrängte aufmuckende Arbeiter oder Angestellte; der wegen seiner mutigen Haltung im Netz verwickelter Schikanen zappelnde Student und so weiter – sie alle sind Gestalten von einer höchst tragischen Wesenheit, und die heutige Welt ist voll von ihnen, voll von solchen Gestalten wie Abendroth, Dutschke und Cohn-Bendit.“ Kofler verneigt sich mit solchen Worten vor dem, was damals als „Neue Linke“ gerade Wellen schlug. Weniger Verständnis dagegen findet er hier für jene Strömung linker Intelligenz, die sich einer bloß schwarz-rot karierten Dialektik, einer „Art der mechanisierten Verdinglichungs-Ideologie“ hingebe, indem sie die absurde Literatur auf absurde und herrschaftsförmig ausgrenzende Weise verteidigt. Das jedenfalls versucht er deutlich zu machen in einem scharf geschriebenen Kapitel über den „Adorno“-Schüler Karl Markus Michel – einen der einflussreichsten grauen Eminenzen jener westdeutschen Suhrkamp-Kultur, die nicht unwesentlich verantwortlich war auch für Koflers Ausgrenzung aus den deutschen Diskussionen.

1970

1970

Stalinismus und Bürokratie. Zwei Aufsätze

Buchcover „Stalinismus und Bürokratie“ von Leo Kofler, 1970 Das weltweite Aufkommen einer „Neuen Linken“ Ende der 1960er Jahre spiegelte nicht nur die Krisen spätbürgerlicher Gesellschaftsformationen, sondern auch die der sogenannten Dritte-Welt-Staaten und der „kommunistischen“ zweiten Welt. Gerade die im August 1968 erfolgte militärische Niederschlagung des sogenannten Prager Frühlings beflügelte die innerlinken Diskussionen über den sogenannten „real existierenden Sozialismus“ und seine stalinistische Erbschaft. In dieser Situation legte Kofler 1970, im Luchterhand-Verlag, zwei jener alten Broschüren von 1952 wieder auf (siehe oben), in denen er das Wesen und die Rolle der stalinistischen Bürokratie reflektiert und seine marxistische Ideologie-Kritik des „Marxismus-Leninismus“ und seiner sowjetbürokratischen Ursachen und Folgen auch ganz konkret und dezidiert an einer einflussreichen Schrift Josef Stalins (Über den Marxismus in der Sprachwissenschaft) entfaltet.

In dem vom März 1970 stammenden neuen Vorwort verdeutlicht Kofler, dass sich zwischenzeitlich vieles geändert habe und der historische Stalinismus einem seiner Tiefpunkte entgegengehe: „Dass es die stalinoiden bürokratischen Kräfte nicht mehr wagen können, zu dem unter Stalin herrschenden physischen Terror und seinen schrecklichen Ausmaßen zurückzukehren, beweist gerade, dass der Stalinismus sich in einer Krise befindet und auf längere Sicht gesehen den Kampf gegen die ausgedehnte und stets wachsende sozialistisch-humanistische Opposition, die sich auf Marx und Lenin beruft, bereits verloren hat.“ Nichts desto trotz bleibe da das vulgärmaterialistische, dogmatische und zutiefst undialektische stalinistische Denken, das sich nicht automatisch auflöse, das man vielmehr auch geistig endlich überwinden müsse. Neu hinzugefügt wurde dieser Ausgabe aber nicht nur das Vorwort, sondern auch ein zusätzliches Unterkapitel, in dem der Autor über die Entwicklung von Stalin zu Mao Tse-tung reflektiert und die von den radikalen Studierenden damals so sehr geliebte Kulturrevolution als einen „Akt der ‚kulturrevolutionären‘ Restalinisierung Chinas“ interpretiert. Das wollten jedoch nur wenige dieser jungen Radikalen lesen oder hören…

1970

1971

Technologische Rationalität im Spätkapitalismus

Buchcover „Technologische Rationalität im Spätkapitalismus“ von Leo Kofler, 1971 Buchcover „Beherrscht uns die Technik?“ von Leo Kofler, 1983 Die schon in den 1960ern intensiv geführten gesellschaftstheoretischen Diskussionen, wie stark auch die bundesdeutsche „spätkapitalistische“ Gesellschaft von technologischen Modernisierungsprozessen, gar von einer historisch neuartigen technologischen Rationalität geprägt wurden, sollten durch die 1969 begonnene sozialdemokratische Kanzlerschaft Willy Brandts noch beflügelt werden. In diese Diskussionen greift Koflers, im kleinen Makol-Verlag 1971 veröffentlichte Schrift Technologische Rationalität im Spätkapitalismus ein. Für Kofler ist ein solcher, die alten klassengesellschaftlichen Strukturen vermeintlich überwindender technologischer Automatismus reine Ideologie – der spezifisch fetischistische Schein neokapitalistischer Klassengesellschaften, wie er in kritischer Auseinandersetzung mit führenden Theoretikern der Technologiethese (v.a. Schelsky, Gehlen, Lübbe und Habermas) nicht müde wird zu betonen. Hinter dem technologischen Prozess, „ihn in Gehalt und Richtung bestimmend“, stehen für ihn „noch immer herrschende Klassen und ihre staatsformenden Kräfte, deren wichtigste die nihilistische Intelligenz, die technologische Bürokratie und die parasitäre bürgerliche Elite sind“. Kofler knüpft hier direkt an seine bereits Ende der 1950er Jahre formulierte Staatstheorie an, an seine Theorie einer Vergeistigung der Herrschaft, die den Staat als durch die Trias von Intelligenz, Bürokratie und Elite zusammengehaltenes gesellschaftliches Verhältnis betrachtet. Die typisch bürgerlich-kapitalistische Unfähigkeit, die durch die gesellschaftliche Arbeitsteilung bedingte extreme Verdinglichung ganzheitlich zu durchschauen, hänge sich eine, in ein rationalistisches Gewand gekleidete mystische Hülle um: „Verkleidung ist sie deshalb, weil sie in ihrer streng rationalen Erscheinungsweise eine bloße Ideologie abgibt. In Wirklichkeit trifft die extrem rationelle Form, die in der Technik aufzutreten pflegt, nur für das technische Teilgebiet zu, in der Fortbewegung ihrer Totalität ist sie wie die gesamte bürgerliche Ökonomie irrationell; ihr ideologisch ‚naturgesetzlicher’ Bewegungstrend ist ein Ausdruck davon.“

Großen Raum nimmt in diesem Werk auch die Koflersche These ein, dass es neben dieser bürgerlichen Technologieideologie nun auch eine spezifisch linke Variante derselben gebe, die er v.a. in den Werken der Kritischen Theoretiker Günter Anders, Theodor Adorno, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas ausmacht. Er nennt sie die „marxo-nihilistische Technologie-Ideologie“ und sieht in ihr eine folgenreiche Ontologisierung der Technologie zum unentrinnbar Immergleichen, zum „Omen der zwanghaften Ausweglosigkeit“. Wenn bspw. Marcuse explizit behaupte, dass heutige Herrschaft sich nicht mittels der Technologie, sondern als Technologie verewige, erkläre er sie aus der Struktur eines Logos und mache sie in entsprechend unhistorischer Manier aus einer historisch veränderlicher Herrschaftsform zu einem sich stets gleichbleibenden Prinzip.

1983 erlebt die Schrift unter dem neuen Titel Beherrscht uns die Technik eine Neuauflage im VSA-Verlag. Diese zweite Auflage ist in ihrem Aufbau verändert und gekürzt (v.a. um die scharfen Passagen zur Kritik der Frankfurter Schule) sowie mit einer umfassenden Einleitung von Werner Seppmann versehen worden.

1971

1972

Zur Dialektik der Kultur. Sechs Beiträge

Buchcover „Zur Dialektik der Kultur“ von Leo Kofler, 1972 Das Jahr 1972 war, wie Christoph Jünke in seiner Kofler-Biografie (Sozialistisches Strandgut, Hamburg 2007, S.579) schrieb, ein Jahr der Anerkennung für Leo Kofler. Auch wenn dieser persönlich kaum eingegriffen hatte in die Kämpfe der Achtundsechziger, so sollten sie auch in seinem Leben und Wirken weitreichende Veränderungen zur Folge haben. Nicht nur, dass seine Schriften nun breiter entdeckt, neu aufgelegt und gelesen wurden. Mit 65 Jahren, in einem Alter also, in dem andere pensioniert werden, eröffnete sich ihm schließlich auch die Möglichkeit der Rückkehr an eine Universität, in diesem Falle: an die Bochumer Ruhr-Universität. Parallel hierzu bekam er im Sommer 1972 einen Brief der Wiener Landesregierung, die ihm „in Würdigung ihrer bedeutenden Leistungen auf philosophischem und soziologischen Gebiet das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien“ verlieh – eine Art der Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien, die ihn mit tiefem Stolz erfüllen sollte. Außerdem erschien in dem kleinen linken makol-Verlag (ebenfalls aus Anlass seines 65.Geburtstages) ein Aufsatzband mit sechs älteren und längeren Aufsätzen Koflers Zur Dialektik der Kultur. Sechs Beiträge, der, so die Herausgeber Karl-Heinz Neumann und Günter Maschke, einen repräsentativen Überblick über Koflers Gesamtwerk geben und dazu beitragen sollte, „die überfällige Diskussion der koflerschen Geschichts- und Gesellschaftstheorie einzuleiten“.

Der Band beherbergt die Aufsätze „Die Gesellschaftsauffassung des Historischen Materialismus“, „Verstehende und materialistische Geschichtsbetrachtung“, „Das Ende der Philosophie?“, „Das falsche Bewusstsein der Bildung“, „Liberalismus und Demokratie“, und „Das Apollinische und das Dionysische in der utopischen und antagonistischen Gesellschaft“. Und eingerahmt werden diese Beiträge von einer ersten Bibliografie der Schriften Koflers sowie von längeren „Bemerkungen zum Werk von Leo Kofler“, die der damals noch junge Linksradikale und sich später zum Vordenker einer Neuen Rechten entwickelnde Günter Maschke verfasste. Kofler sei, so Maschke hier, „nahezu mit einem Tabu belegt worden (…) Dies stimmt umso verwunderlicher, als Kofler unter den älteren Autoren Westdeutschlands als einziger den Titel eines marxistischen Gesellschaftstheoretikers für sich in Anspruch nehmen kann.“

1972

1973

Aggression und Gewissen. Grundlegung einer anthropologischen Erkenntnistheorie

Buchcover „Aggression und Gewissen“ von Leo Kofler, 1973 Nachdem er 1971 sein Werk über die Technologische Rationalität im Spätkapitalismus veröffentlicht hatte, erschien mit seiner zwei Jahre später, im Hanser-Verlag veröffentlichten Schrift Aggression und Gewissen. Grundlegung einer anthropologischen Erkenntnistheorie der zweite Band einer auf drei Einzelstudien angelegten Untersuchung über den modernen, „spätkapitalistischen“ Irrationalismus (von denen jedoch der dritte Band nie geschrieben wurde). Hatte Kofler in der Technologischen Rationalität die neue Ideologie einer klassenlosen Technologievergötterung untersucht, widmet er sich nun hier der Ideologiekritik des zeitgenössischen Biologismus und seines irrationalistisch-pessimistischen Menschenbildes. In kritischer Auseinandersetzung mit damals einflussreichen Zoologen und Naturforschern wie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibelsfeldt zeigt er auf, dass es zwar eine triebhaft im Menschen angelegte Aggressionsneigung gebe, diese aber nur in Abhängigkeit von gesellschaftlichen und historischen Umständen mal so und mal so ausgelebt werde. Als unveränderlicher und anthropologisch formaler Trieb ziele der individuelle Aggressionstrieb auf die ungehemmte erotische Befriedigung des Einzelnen und sei als solcher nicht einmal explizit egoistisch, denn er sei strukturell auf den menschlich Anderen, auf das menschliche Kollektiv gerichtet. Ob und wie sich diese Aggressionsneigung aber im Kollektiven durchsetzt, das unterliege nicht mehr der Durchsetzungskraft des individuellen Aggressionstriebes, sondern sei durch die historisch bestimmten Umstände menschlicher Vergesellschaftung bedingt.

Ausführlich und systematisch begründet Kofler vor diesem Hintergrund seine Sicht auf eine marxistisch aufgeklärte philosophische Anthropologie, indem er das Verhältnis von formaler Voraussetzung und eigentlicher menschlicher Existenz thematisiert und das Verhältnis von Aggression und Gewissen untersucht. Er fragt danach, wie eine anthropologische Erkenntnistheorie begrifflich zu fassen ist, wie die Aggression mit der historischen Zerstörung einer dialektischen Einheit von Apollinischem und Dionysischem und mit der heutigen „Wohlstandskriminalität“ zusammenhängt, und wie die anthropologische Dialektik des Libidinösen und eine anthropologische Dialektik von Freiheit sowohl denkbar wie praktisch möglich sind.

Mit Aggression und Gewissen hat Kofler also seine in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre begonnenen und in den 1960ern mehrfach vertieften Studien zu einer philosophischen Anthropologie systematisiert und konkretisiert – und damit nicht nur einen Meilenstein in der Diskussion über das Verhältnis von Marxismus und Anthropologie vorgelegt, sondern indirekt auch seine Herausgeber des 1972 erschienenen Aufsatzbandes Zur Dialektik der Kultur (siehe oben) ad absurdum geführt, die ihn auf einen bloßen Kulturtheoretiker zu reduzieren gedachten, während es ihm doch vielmehr um eine Dialektik von Natur und Kultur ging.

1973

1975

Soziologie des Ideologischen

Buchcover „Soziologie des Ideologischen“ von Leo Kofler, 1975 Hatte Leo Kofler zu Beginn der 1970er Jahre mit Technologische Rationalität im Spätkapitalismus und Aggression und Gewissen zwei vertiefende Studien zu einer Kritik der spezifisch spätbürgerlichen Ideologieproduktion vorgelegt (zur Kritik technologischer Allmachtstheoreme einerseits, des neuen Biologismus andererseits), bietet seine 1975 im Kohlhammer-Verlag erschienene Schrift zur Soziologie des Ideologischen keine spezifisch neue, selbstständige Vertiefung an, sondern eine originelle Zusammenfassung seiner Gesamtsicht auf die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftsform seiner Zeit. Entsprechend finden wir hier in 15 Kapiteln grundlegende Fragen behandelt wie: Was ist überhaupt eine Ideologie? Wie sind Fetischismus und Verdinglichung zu verstehen? Welcherart war das Verhältnis von Herr und Knecht in vorbürgerlichen, frühbürgerlichen und spätbürgerlichen Verhältnissen? Welche Rolle spielt unter diesen Bedingungen der Intellektuelle und welche die Bildung? Woher kommt die omnipotente Ideologie der Entideologisierung, wie funktioniert die ästhetische Reflexion des entfremdeten Bewusstseins und wie die pseudoreligiöse Ideologie? Gibt es eine Dialektik von Genuss und Askese und wie ist die widersprüchliche Ideologie der neuen progressiven Elite einer linken Gegenkultur zu interpretieren? Kofler bietet mit diesem Werk also so etwas wie einen Rundumeinblick in seine kritische Gesellschaftstheorie, den letzten systematischen Versuch, sein eigenes Denken auf den Begriff zu bringen – weswegen sich die Lektüre dieses gelegentlich nicht leicht zu lesenden Buches besonders lohnt.

„Womit sich das heutige Individuum [der spätbürgerlichen Gesellschaftsform] identifiziert“, so Kofler hier, „das ist nicht der klassengesellschaftliche Antagonismus, nicht die herrschende Unterdrückung, nicht die allumfassende Entfremdung und Verdinglichung des Lebens, sondern mit deren sie verschleiernden Ideologie, mit ihrem Schein. Es identifiziert sich mit der Konsumideologie, die die Ausbeutung und Armseligkeit verschleiert, mit dem Wohlstand, der die tatsächliche Askese verbirgt, mit der Freiheit, die ein dialektisches Pendant zur effektiven Manipulation und Unterwerfung darstellt.“ Ausbrüche aus der herrschenden Ideologie der Entideologisierung bekommen deswegen einen scheinhaft individuellen Charakter, haben jedoch durchaus Massencharakter: „Der aus seiner Partei ausgeschlossene Intellektuelle, der um die Rechte der Mitglieder isoliert kämpfende Gewerkschaftsfunktionär, der in das Einzelgängertum gedrängte aufmuckende Arbeiter oder Angestellte, der wegen seiner mutigen Haltung im Netz verwickelter Schikanen zappelnde Student, je selbst der gegen die Normen verstoßende Liebhaber wie der in die theoretische Arbeit sich flüchtende Kritiker usw. – sie sind alle Gestalten von einer höchst tragischen Wesenheit, und die heutige Welt ist voll von ihnen.“

2025 erscheint eine erweiterte und von Christoph Jünke mit einem Nachwort versehene Neuauflage dieser Schrift im Kasseler Mangroven-Verlag.

1975

1977

Haut den Lukács – Realismus und Subjektivismus. Herbert Marcuses ästhetische Gegenrevolution

Buchcover „Haut den Lukács“ von Leo Kofler, 1977 Mit seiner Ende 1977 veröffentlichten kleinen Broschüre Haut den Lukács – Realismus und Subjektivismus. Herbert Marcuses ästhetische Gegenrevolution greift Kofler abermals in die linke Ästhetik-Diskussion der ein. Hatte der neu-linke Altmeister Herbert Marcuse zu Beginn des gleichen Jahres eine Polemik über Die Permanenz der Kunst – Wider eine bestimmte Ästhetik veröffentlicht, so fühlte sich Kofler hier angesprochen und holte in seinem längeren Essay umfassend aus, um die von Marcuse angegriffene Ästhetik-Konzeption von Georg Lukács zu verteidigen und Marcuses Verballhornung derselben kraftvoll anzugreifen. Marcuse gehe es, so Kofler, „um die Rechtfertigung des Pessimismus, dies in völliger Übereinstimmung mit den Werken der abstrakten und absurden Kunst“. Vor diesem Hintergrund bietet die kleine Gelegenheitsschrift Koflers – veröffentlicht in einem kleinen linken Verlag, der eine umfassende Gesamtausgabe gesammelter Schriften von Kofler ankündigte, aber nur kurz darauf wieder eingehen sollte – einmal mehr Betrachtungen über die Rolle der Literatur in Klassengesellschaften, über die ästhetischen Regeln des Realismus, über das Wahre und Schöne, über den ästhetischen Realismus als Gegenkonzept zum Naturalismus, und über das Allegorische in den Kunstrichtungen des Expressionismus, Surrealismus und der sogenannten absurden Literatur.

1977

1980

Marxismus und Anthropologie. Festschrift für Leo Kofler

Buchcover der Festschrift „Marxismus und Anthropologie“ für Leo Kofler, 1980 Mit Marxismus und Anthropologie. Festschrift für Leo Kofler wurde 1980 die erste Festschrift für Kofler veröffentlicht. Als Herausgeber fungieren Dietrich Garstka, Werner Seppmann und niemand geringeres als Ernst Bloch, der große Altmeister des deutschen Marxismus. Letzterer hatte zwar starken Anteil an der Planung des Buches, war aber 1977 gestorben. Der ursprüngliche Plan, dieses Buch schon 1977 herauszugeben, zum 70. Geburtstag Koflers, hatte sich seitdem immer wieder zerschlagen. Entsprechend bedauern die Herausgeber im Vorwort nicht nur die lange Verzögerung, sondern auch, dass Ernst Bloch das Erscheinen des Buches nicht mehr erleben konnte. Immerhin findet sich in diesem Band ein kurzer, aber knackiger Beitrag aus Blochs Feder, mit welchem er vor seinem Kollegen und Freund den marxistischen Hut zieht: „Dialektisches Denken ist mehr als Sich-Vergewissern von dem, was auch ohne es ist. Denn es weiß sich stets als Moment dessen, was es begreift. Es kann daher gerade für den dialektischen Materialismus keine einseitige Ableitung des Bewusstseins aus dem ökonomischen Sein geben, dergestalt, dass dieses als schlechthinnige causa sui alles andere determinierte. Vielmehr macht es das Wesen der menschlichen Verhältnisse aus, eben die Verhältnisse von handelnden, mit Bewusstsein begabten und ihre Zwecke verfolgenden Menschen zu sein. Marxismus ist somit der von einer rein kontemplativen Beziehung des Denkens zum Sein weit entfernte Versuch einer historischen Selbsterkenntnis des produktiven Subjekt-Objekts der Gesellschaft. Dies gilt in besonderem Maße für das Denken Leo Koflers, das wie schon Lukács‘ ‚Geschichte und Klassenbewusstsein‘ der Wiederbelebung einer marxistischen Dialektik gewidmet ist.“

Koflers unbequeme Konsequenz, so Garstka/Seppmann in ihrem Vorwort, sei „mit dem Ausschluss aus der öffentlichen wissenschaftlichen und politischen Diskussion beantwortet“ worden: „Bürokratisch-doktrinärer Stalinismus, spätbürgerliche Restauration, ignoranter Alleinvertretungsanspruch kritischer Theorie waren oder sind noch daran interessiert. Mit diesem Buch beabsichtigen wir, Koflers Werk als einen wesentlichen Beitrag zur gegenwärtigen marxistischen Theorie bewusst zu machen.“ Neben dem kurzen Bloch-Text und der von Garstka und Seppmann verfassten längeren Einleitung zur Lebensgeschichte Koflers (sowie einer Bibliografie der Arbeiten Koflers und Daten zu seinem Leben und Werk), finden wir in diesem Band ausführliche Beiträge von Agnes Heller („Das Ideal der Arbeit vom Blickwinkel des Alltagslebens“), Helmut Fleischer („Sozialismus, Humanismus, Anthropologie“), Adam Schaff („Zum Problem der Selbstentfremdung“), Hans-Dieter Bahr („Nora“), Otto Morf („Totalität und Dialektik“), Werner Seppmann („Kritik des Objektivismus – Über das Verhältnis von Mensch und Geschichte im Historischen Materialismus“), György Márkus („Positivismus und Hermeneutik als Theorien der Objektivation“), Wolfgang Fritz Haug („Individuum, Totalität, Widerspruch und Pflicht zu seiner Dialektik – Probleme des marxistischen Theoretikers“), Ernest Mandel („Methodisches zur Bestimmung der Klassennatur des bürgerlichen Staates“) sowie Thomas Metscher („Kunst und Literatur als ideologische Form“).

1980

1981

Geistiger Verfall und progressive Elite. Sozialphilosophische Untersuchungen

Buchcover „Geistiger Verfall und progressive Elite“ von Leo Kofler, 1981 Bot der Aufsatzband Dialektik der Kultur (siehe oben) sechs umfangreiche Kofler-Aufsätze als eine Art Best-Of zur Einführung in Koflers Marxismusverständnis, so vereinigt der 1981 veröffentlichte Essayband Geistiger Verfall und progressive Elite. Sozialphilosophische Untersuchungen zehn Texte, die diesen Überblick über Koflers Werk sozusagen erneuern und ergänzen sollen. Abermals steht hier programmatisch und explizit ein Begriff von Totalität im methodologischen Zentrum, der „sowohl die strukturelle Durchwirktheit einer bestimmten historisch geprägten Gesellschaftsordnung wie auch die implizite Notwendigkeit, die große Vielfalt praktischer wie theoretischer Erscheinungen im Sinne des ‚Verstehens‘ zueinander zu vermitteln“ betont. Und einmal mehr geht es ihm um ein tiefensoziologisches Verstehen grundlegender gesellschaftlicher Prozesse, um „einen Querschnitt durch die ideologischen Haupterscheinungen unserer Zeit“, wie er im kurzen Vorwort des Bandes schreibt.

Enthalten sind in diesem Buch die beiden grundlegenden Aufsätze „Die Gesellschaftsauffassung des Historischen Materialismus“ und „Das Apollinische und das Dionysische in der utopischen und antagonistischen Gesellschaft“, die auch schon in die Dialektik der Kultur aufgenommen waren. Hinzu kommen hier jedoch die folgenden Essays: „Die drei Hauptstufen der dialektischen Gesellschaftsphilosophie“, „Zur soziologischen Kritik von Becketts ‚Warten auf Godot‘“, „Zum Verständnis Bert Brechts“, „Dialektik der konservativen und progressiven Intelligenz“, „Jesus und die Ohnmacht“, „Geistiger Verfall und magische Religiosität“, „Krise der Soziologie“ sowie „Kritische Psychologie? Ouverture zu einer künftigen Kritik an einer angeblich neuen marxistischen Richtung“. Stärker als in „Dialektik der Kultur“ sind hier also auch Texte zur politisch-theoretischen Interpretation der Neuen Linken (die Kofler unter dem Begriff der humanistischen oder progressiven Elite fasst) versammelt.

1981

1982

Der Alltag zwischen Eros und Entfremdung. Perspektiven zu einer Wissenschaft vom Alltag

Buchcover „Der Alltag zwischen Eros und Entfremdung“ von Leo Kofler, 1982 Koflers Schrifttum in den 1980er Jahren wird geprägt von einer Reihe kleinerer Schriften, die im „Herbst des Philosophen“ (so sein Biograf Christoph Jünke) zumeist alte Themen in neuer Aufmachung und neuem Licht behandeln. Mit der Schrift Der Alltag zwischen Eros und Entfremdung. Perspektiven zu einer Wissenschaft vom Alltag greift Kofler in die damals machtvoll aufgekommene gesellschaftstheoretische Diskussion um die Rolle des Alltagslebens in der modernen Welt ein und zeichnet ein Bild des Alltags, der als Hort der alltäglichen Einpassung in die spätbürgerliche Klassengesellschaft immer auch vielfältige und widersprüchliche Ausbruchsversuche der von der allgemeinen Entfremdung gezeichneten Individuen und Kleingruppen beinhalte. Der Drang nach einer, im weitesten Sinne des Wortes, erotischen Gestaltung des Alltags sei allgegenwärtig: „Die Irrwege, die der Mensch hierbei beschreitet, sind die Irrwege der Entfremdung und des Missbrauchs dieser menschlichen Belange. Aus der Dialektik von Erotik und Entfremdung im Alltag der spätbürgerlichen Gesellschaft lässt sich weder die eine noch die andere eliminieren: die Untersuchung hat diese Dialektik ernst zu nehmen. (…) Wo die erotischen Bedürfnisse derart verzerrt werden, dass Kitsch anstelle von Kunst, Porno anstelle von Liebe, Gewäsch anstelle des Gesprächs tritt, da entsteht eine Bedürfniswelt, der keine Vermittlung zur erotischen Lebenswelt gelingt und daher die Alltagswelt in die Fänge der Leere und Langeweile, der Entemotionalisierung und Depression treibt.“

In jeweils kurzen Kapiteln behandelt Kofler in dieser Schrift Fragen einer erkenntnistheoretischen Grundlegung des Alltags und Probleme wie den naiven und entfremdeten Schein, und die erotische und die sterbende Zeit. Er untersucht das Verhältnis von Alltag, Kunst und Moral, von Alltag, Neugier und Sensation, von Alltag, Tätigkeit, Spiel und Fest, sowie den Alltag als Drama und die Dialektik von Verinnerlichung und Veräußerlichung. Der Alltag unserer Zeit sei nicht nur der herrschenden Irrationalität und ihrer Spontaneität unterworfen, er stehe immer auch latent im Gegensatz zur klassengesellschaftlichen Entfremdung und könne, entsprechend aufgeklärt, für Strategien der Transformation genutzt werden.

Neu aufgelegt wurde dieser Text im Jahre 2008, in dem von Heike Friauf im Pahl-Rugenstein-Verlag herausgegebenen Band Eros Und Politik. Wider die Entfremdung des Menschen.

1982

1983

Zur Kritik der „Alternativen“

Buchcover „Zur Kritik der Alternativen“ von Leo Kofler, 1983 In einer, so die Verlagswerbung, wenig zimperlichen, aber offenen Kritikform widmet sich Kofler hier einer Kritik der Grün-Alternativen, die er als zeitgenössische Verkörperung der progressiven-humanistischen Elite fasst (siehe oben). Anders aber als im Falle der früheren Neuen Linken lässt er allerdings an dieser „progressiven Elite“ nur noch wenig Gutes. „Die Hauptmängel der gegenwärtigen, sogenannten ‚alternativen‘ Bewegungen in sich verschiedenster Art bestehen in der auffälligen Unfähigkeit zur zusammenfassenden Organisation und in ihrer geistigen Beengtheit, was so viel heißt wie in der Unfähigkeit zur Ausbildung und Rezeption einer den empiristischen Oberflächenschein durchbrechenden und über viele Kanäle der populären Vermittlung bestimmende Teile des Volkes ergreifenden Theorie. Hierbei bedingt die Unfähigkeit zur Herausbildung einer solchen Theorie ebenso die Unfähigkeit zur umfassenden politischen Organisation wie diese jene. Dass und warum das Steckenbleiben im Praktizismus, Ökonomismus, Biologismus und Reformismus die ‚alternativen‘ linken Bewegungen kennzeichnet und ihr zum Verhängnis wird, soll das Thema des nachfolgenden Textes werden“ – so Kofler in seiner Vorbemerkung.

In zahlreichen kleinen Kapiteln behandelt er Fragen nach der revolutionären Elite und dem Begriff des Schönen, nach dem Verhältnis von Askese und Fülle, von Entfremdung und Alltag. Er betont, dass „revolutionär“ nicht gleich revolutionär sein muss und behandelt sodann die Philosophie des Sektierertums und des humanistischen Ekstatikers. Schließlich warnt er vor der Gefahr des Positivismus und der Entstellung des Marxschen Denkens, und sieht bei den alternativen Bewegungen nicht nur eine falsche Kritik der sozialistischen Tradition, sondern auch eine Verwechselung von romantischer Ironie und ironischem Optimismus. Auch wenn er die Grün-Alternativen für eine Form linker Opposition und progressiv-humanistischer Elitenbildung hält, so geht er schließlich soweit, dass er sie, zusammen mit den stalinistischen und stalinoiden Überbleibseln, geradezu zum Hindernis für den erhofften Fortschritt hält – nicht zuletzt, weil sich die Grün-Alternativen kaum noch um eine moderne marxistisch-emanzipative Theorie kümmern würden.

1983

1984

Der Konservatismus zwischen Dekadenz und Reaktion

Buchcover „Der Konservatismus zwischen Dekadenz und Reaktion“ von Leo Kofler, 1984 Nach seiner 1983 veröffentlichten Kritik der Grün-Alternativen widmete sich Kofler ein Jahr später der Kritik des Neokonservatismus, der damals gerade – mit Ronald Reagan (USA), Margret Thatcher (GB) und Helmut Kohl (BRD) – in erheblichem Maße an gesellschaftspolitischem Boden gewonnen hatte. Entsprechend behandelt er hier weniger die allgemeine Geistesgeschichte des Konservatismus, sondern vor allem dessen moderne Erscheinungsform – nachdem er den historischen Bogen vom traditionellen, antikapitalistischen zum modernen kapitalistischen Konservatismus kurz nachgezeichnet hatte. Sei der alte Liberalismus im 20. Jahrhundert zunehmend konservativ geworden, habe der Konservatismus seinen alten antimodernen, antikapitalistischen Charakter abgestreift und sei liberal geworden. Vor diesem Hintergrund beschreibt er die Grundzüge dieses Neo-Konservatismus, die neuen Formen des Klassenkampfes und die Wege, auf denen die einstmals sozialistische Sozialdemokratie zur Erbin und modernen Verkörperung des Liberalismus geworden sei. „Und da der Konservatismus, ohne sich aufzugeben, nicht die Konsequenz der kritischen Abkehr vom Bestehenden ziehen kann – in der Vergangenheit gab es bereits verschiedene Versuche, den Ausweg in einem konservativen ‚Sozialismus‘ zu finden –, beschreitet er in einigen seiner Denker einen neuen, an sich sehr interessanten Weg, gleichsam den der Setzung eines Ende der Geschichte: es wird ernsthaft behauptet, dass im gesellschaftlichen Leben wie in der Kultur infolge des extremen technologischen Sachzwanges nichts Neues mehr passieren kann; wir sind in der ‚posthistoire‘ angelangt.“

Nachdem schon die Vorgängerarbeit im Hamburger VSA-Verlag erschienen war, kam nun auch die Arbeit zum Konservatismus in seinem neuen Hausverlag heraus. Von 1983 bis 1987 veröffentlichte der Verlag jedes Jahr ein neues, kleines Büchlein – sozusagen Koflers „Spätwerk“.

1984

1985

Eros, Ästhetik, Politik. Thesen zum Menschenbild bei Marx

Buchcover „Eros, Ästhetik, Politik“ von Leo Kofler, 1985 Koflers 1985 unter dem Titel Eros, Ästhetik, Politik veröffentlichte Thesen zum Menschenbild bei Marx (so der Untertitel) sind in drei Teile geteilt. Im ersten behandelt er das Thema des „schönen Menschen“ und setzt sich dabei intensiv mit dem Verhältnis von Karl Marx und Sigmund Freud auseinander, mit dem Verhältnis von Kunst, Philosophie und Erotik, von Moral und Gattungswesen, und mit dem marxistischen Menschenbild, den Formen von Emanzipation und der Kategorie der Praxis. Im zweiten Teil untersucht er „die alte Philosophie“ und reproduziert hierbei, in leicht überarbeiteter Fassung, seinen alten, 1961 erschienenen Aufsatz über „Das Ende der Philosophie“ (siehe oben). D.h. er befasst sich hier mit Fragen der Erkenntnistheorie, mit dem Verhältnis von Naturwissenschaften und Humanwissenschaften, setzt die tätige Seite der Methode der Kontemplation gegenüber und behandelt den naturalistischen und den gesellschaftswissenschaftlichen Begriff von Bewusstsein. Im dritten Teil schließlich vereinigt er einige kleinere Marginalien und kritisiert u.a. die sogenannten „Neuen Philosophen“, d.h. die damals gerade viel diskutierten, nach rechts gewendeten Ex-Linke, die sich zu Vordenkern eines neuen, postmodernen Konservatismus gemacht haben.

Auch dieser Text ist in dem von Heike Friauf 2008 im Pahl-Rugenstein-Verlag herausgegebenen Band Eros und Politik. Wider die Entfremdung des Menschen neu aufgelegt worden.

1985

1986

Aufbruch in die Sowjetunion? Von Stalin zu Gorbatschow

Buchcover „Aufbruch in die Sowjetunion?“ von Leo Kofler, 1986 Im Jahre 1987 überrollte die sogenannte „Gorbi-Euphorie“ den internationalen Westen und nicht zuletzt auch die bundesdeutsche Gesellschaft. Der seit 1985 amtierende neue Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, hatte Anfang des Jahres verkündet, dass auch der Kommunismus die Demokratie brauche wie die Luft zum Atmen. Seine neue gesellschaftliche Reformpolitik (Glasnost und Perestroika), aber auch seine internationale Abrüstungs- und Friedenspolitik elektrisierte die linke Szene ebenso wie die liberale Welt, strahlte gar aus bis in konservative Kreise. Bereits im Jahr zuvor, Ende 1986, veröffentlichte Kofler im VSA-Verlag sein kleines Büchlein zur Frage Aufbruch in der Sowjetunion? Von Stalin zu Gorbatschow, in dem er den historischen Faden vom Stalinismus zum Gorbatschowismus zog und die historische Bedeutung der „gravierenden Veränderungen“ betonte, die dort gerade vorgingen. In den Kapiteln dieses Bandes werden „die Übergangsgesellschaft“, das Verhältnis von Stalinismus und Bürokratie behandelt, die Entwicklung „Von Stalin zu Mao Tse-Tung“ beschrieben und der „Gorbatschowismus“ ausführlich thematisiert. Kofler galt damit fortan als „Gorbatschowist“ und wurde nicht müde, den neuen Generalsekretär der KPdSU zu preisen – bis er sich 1989/90, als der Gorbatschowismus seinen bitteren Todeskampf führen sollte, mächtig und endgültig enttäuscht von diesem gab. Die für 1989/90 geplante, erweiterte Ausgabe dieses Buches jedenfalls kam nicht mehr zustande…

1986

1987

„Die Kritik ist der Kopf der Leidenschaft“. Aus dem Leben eines marxistischen Grenzgängers

Buchcover „Die Kritik ist der Kopf der Leidenschaft“ von Leo Kofler, 1987 „Ich möcht ein wenig unmodern und altmodisch sein, / damit die Zeit nicht wegwischt, was ich bin und war, / damit die Toten meiner sich nicht schämen müssen, / die Toten, die, wozu das Leben nützte, wissen. / Ich möcht ein wenig von der alten Schule sein, / korrekt und höflich, manchmal geradzu, / doch ohne viel und indiskret zu fragen, / und möchte zur Gemeinheit stets Gemeinheit sagen. / Ich möcht belesen, voller Witz und Scharfsinn sein, / mich nicht vom Glanz geschliffner Phrasen täuschen lassen, / der Stimme des Gewissens stets vertraun, / auf sie, die ohne Falschheit, baun. / Ich möchte ewig jung und unverbildet sein, / doch achten auf die Lehren frührer Zeiten, / ich möchte den Burschen, die da wild nach kühnen Taten, / erfahren und gemessen wie ein Alter raten.“ Diese Worte aus einem Gedicht des russischen Dichters Jewgeni Jewtuschenko (1932-2017) wünschte sich Kofler als Vorspann zu dem von Karlheinz Maldaner herausgegebenen autobiografischen Gesprächsband, mit dem der Hamburger VSA-Verlag seinen prominenten Autoren zum 80. Geburtstag am 26. April 1987 ehrte.

Erstmals ausführlich erzählt Kofler in diesem autobiografischen Gesprächsband von seiner familiären Prägung im ostgalizischen Judentum, von seiner Jugend im „roten Wien“ und der 1938 erfolgten Flucht in die Schweiz. Er erzählt von seinem Lehrer Max Adler, von Otto Bauer und der Wirkung, die die Schriften von Georg Lukács Ende der 1930er Jahre auf ihn hatten. Er beschreibt sein Exilleben in den Arbeitslagern der neutralen Schweiz, wie er dort und in der Baseler Judengasse seine ersten Bücher schrieb und davon erfuhr, dass seine Familie währenddessen im Holocaust umgebracht wurde. Es folgen Erinnerungen an die Nachkriegsjahre, zuerst in der realsozialistischen frühen DDR mit ihrem dogmatischen „Marxismus-Leninismus“, ab 1951 dann im restaurativen Klima des westdeutschen Kapitalismus der 50er und 60er Jahre. Behandelt werden hier seine Erfahrungen bspw. mit Viktor Agartz und der ersten Generation Neuer Linker, mit Adorno und dessen Schülern sowie die Probleme, die er mit der zweiten Generation Neuer Linker während und nach der 68er-Revolte hatte. Schließlich geht er auf seine Tätigkeit als Bochumer Honorarprofessor in den roten Siebzigern und seine Haltung zu den Umbrüchen der 80er Jahre ausführlicher ein. Lebensgeschichtliche Entwicklungserinnerungen wechseln hier also ab mit politisch-theoretischen Passagen und Einschätzungen zu vorherrschenden Theorie-Schulen wie der Frankfurter Schule, Georg Lukács, Ernst Bloch und manchen anderen.

1987

1987

Avantgardismus als Entfremdung. Ästhetik und Ideologiekritik

Buchcover „Avantgardismus als Entfremdung“ von Leo Kofler, 1987 Zum 80. Geburtstag Leo Koflers veröffentlichte der Frankfurter Sendler-Verlag im Jahre 1987 einen von Stefan Dornuf herausgegebenen und mit einem längeren Nachwort („Dialektische Ästhetik und Literatursoziologie“) versehenen Aufsatzband, in dem zahlreiche von Koflers Texten zur Ästhetik-Diskussion und zur Literatursoziologie neu auflegt wurden. Sie spannen einen Bogen über Koflers Schaffen auf diesem Themengebiet, indem sie (manchmal kritisch, manchmal unkritisch) an Georg Lukács ästhetischem Schaffen anknüpfen und sich mit zahlreichen literarischen Werken und diversen Theorien zur Kunst und Ästhetik auseinandersetzen. Enthalten sind in diesem Band die Aufsätze; „Sind Tragödien heute noch möglich?“, „Gibt es heute noch Kunst?“, „Abstrakte Kunst, absurde Literatur und das Problem der Verdinglichung“, „Das Allegorische im Expressionismus, Surrealismus und in der absurden Literatur“, „Entfremdung und Episches Theater“, „Klassische und realistische Literatur“, „Zum Streit um eine marxistische Ästhetik“, „Lukács und Marcuse“, „Haut den Lukács. Marcuses ästhetische Gegenrevolution“, „Marginalien zu Lukács Literaturtheorie“, „Kafka: der Prozess“, „Beckett: Warten auf Godot“.

1987

1987

Die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen – Beiträge von Leo Kofler in der Bochumer Studenten Zeitung

Buchcover „Die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen“ – Beiträge von Leo Kofler in der Bochumer Studenten Zeitung, 1987 In dieser, im Selbstverlag gedruckten Broschüre, finden sich zehn Zeitungsartikel zur Diskussion um eine zeitgemäße, kritische Momentaufnahme aus marxistischer Sicht nachgedruckt, die Kofler von 1979 bis 1987 in der Bochumer Studenten Zeitung veröffentlicht hat. 1989 erscheint eine zweite, um einen weiteren Kofler-Text vermehrte Neuauflage.

1987

1987

Die Nation – Zukunft und Verpflichtung. Gedanken zum Tag der deutschen Einheit

Die Stadt Nürnberg lud Leo Kofler 1987 ein, zum 17. Juni, dem damaligen Tag der deutschen Einheit, einen Festvortrag zu halten. Kofler folgte dieser Einladung und hielt dort einen, später als Broschüre vertriebenen Vortrag über die Nation als Zukunft und Verpflichtung, in dem er sich zum unveräußerlichen Menschenrecht auf nationale Einheit auch im deutschen Sprachraum bekannte. Klar sein müsse dabei jedoch auch, dass Nation und nationale Einheit zu sozialen Reformen, zu gesellschaftlichem Fortschritt und vor allem zu einer Kultur demokratischer Partizipation verpflichte: „Es ist üblich geworden, den Reichtum der Nation gleichsam anhand der Würstchen zu messen, die wir pro Kopf verzehren. Aber die Kultur haben wir darüber vergessen.“

1987

1991

Die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen – Beiträge zur marxistischen Theorie heute. Festschrift für Leo Kofler

Buchcover der Festschrift „Die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen“ für Leo Kofler, 1991 Mit dem 80. Geburtstag Leo Koflers am 26. April 1987 begann an der Ruhr-Universität Bochum eine mehrjährige, von einer Reihe junger linker Studierender in Selbstorganisation und mit finanzieller Hilfe des Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) betriebene Vorlesungsreihe zu seinen Ehren, bei der sich die damals führenden Vertreter*innen des westdeutschen Marxismus gleichsam die Klinke in die Hand gaben und Vorträge zum Stand der damaligen Marxismus-Diskussion in der Bundesrepublik hielten. Anders als heute bedeutete dies vor allem, dass die Referentinnen und Referenten weniger über die marxistische Theorie als solche referierten, sondern diese auf zeitgenössische Probleme anwandten. Die Zuhörerschaft der bis 1990 alle vierzehn Tage im Semester veranstalteten Vortragsreihe war in der Regel dreistellig und erlebte bei einigen Veranstaltungen sogar bis zu 400/500 Anwesende. Im Jahre 1991 veröffentlichten die jungen linken Studis schließlich eine Auswahl dieser Vorträge in einer Festschrift für Leo Kofler, die nicht ohne Hintergedanken im nun gesamtdeutschen Dietz-Verlag (Ostberlin) erschien.

In der Festschrift finden sich ein Beitrag von Oskar Negt zur Bedeutung Leo Koflers für einen kritischen Marxismus, sowie Beiträge von Ursula Beer, Frank Deppe, Diedrich Diederichsen, Hermann L. Gremliza, Frigga Haug, Wolfgang F. Haug, Kornelia Hauser, Joachim Hirsch, Sabine Kebir, Reinhard Kühnl, Ernest Mandel, Jakob Moneta, Ursula Schmiederer, Siegfried Tornow und Winfried Wolf. Eingerahmt wird das Buch durch ein längeres Vorwort der studentischen Herausgebergruppe und einen Beitrag von Leo Kofler über „Sozialdarwinismus, Religion und Humanphilosophie“.

1991

1992

Zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Versuch einer verstehenden Deutung der Neuzeit

Buchcover „Zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft“ von Leo Kofler, 1992 1992 wird Koflers bekanntestes Werk, seine monumentale Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft, im Ostberliner Dietz-Verlag neu aufgelegt. Sein den Bogen vom frühen Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhundert spannender Versuch einer verstehenden Deutung der Neuzeit (siehe oben) hatte seit 1966 zahlreiche Neuauflagen im Luchterhand-Verlag erlebt, war jedoch von Auflage zu Auflage immer stärker gekürzt worden. Nun wurde das Buch in einer zweibändigen Ausgabe erstmals wieder vollständig zugänglich gemacht, entfaltete aber keine nennenswerte Wirkung mehr, da die Druckauflage im Zuge der vorübergehenden Verlagspleite des Dietz-Verlages (infolge der Abwicklung der DDR) fast vollständig vernichtet wurde…

1992

1995-1997

Leo Kofler-Gesellschaft: Leo Kofler – Materialien zu Leben und Werk

Buchcover „Leo Kofler – Materialien zu Leben und Werk“, herausgegeben von der Leo Kofler-Gesellschaft, 1997 Im Anschluss an Leo Koflers Tod im Juli 1995 geben die Bochumer Studierenden, die zuvor eine mehrjährige Vortragsreihe zu Ehren seines 80. Geburtstages organisiert hatten, und die 1996 die Bochumer Gründung der Leo Kofler-Gesellschaft betrieben, eine Dokumentation mit Materialien zu Leben und Werk heraus, deren vierte, erweiterte Auflage schließlich im Jahre 1997 erscheint. In diesem dicken, 300 Seiten starken und im Selbstverlag produzierten Din-A-4-Band sind sämtliche Nachrufe auf Leo Kofler (von den diversen Tages- und Wochenzeitungen sowie von Iring Fetscher, Peter Ruben, Helmut Steiner, Ulrich Peter, Robert Steigerwald, Werner Seppmann, Wilhelm Filla, Uwe Jakomeit, Christian Illian, Christoph Jünke, Gerhard Ormanns, Theo Schiffermann und anderen) und zahlreiche Würdigungen seines Werkes (u.a. von Ernst Bloch, Oskar Negt, Predrag Vranicki, Hermann Korte, Jakob Moneta, Wolf Schönleiter) gesammelt. Ergänzt wird der Band mit biografischen Texten und Gesprächen von Kofler selbst und einer Bibliografie seiner Schriften.

1995-1997

2000

Zur Kritik bürgerlicher Freiheit. Ausgewählte politisch-philosophische Texte eines marxistischen Einzelgängers

Buchcover „Zur Kritik bürgerlicher Freiheit“ von Leo Kofler, 2000 Im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes zu Leben und Werk Koflers entstand 1999/2000 – im Kontext der neuen, 1996 gegründeten Leo Kofler-Gesellschaft e.V. – die Idee für einen wissenschaftlichen Kongress zu Koflers theoretischem Vermächtnis. Begleitet wurde dieser Kongress von der, von Christoph Jünke besorgten, Herausgabe eines neuen Sammelbandes mit Kofler-Texten. Das im VSA-Verlag erschienene (und vom Herausgeber ausführlich eingeleitete) Kofler-Buch Zur Kritik bürgerlicher Freiheit. Ausgewählte politisch-philosophische Texte eines marxistischen Einzelgängers unterscheidet sich von den früheren „Best-Of“-Bänden vor allem dadurch, dass hier erstmals in Buchform auch zahlreiche kürzere und in den 1950ern für ein breiteres Zeitschriftenpublikum geschriebene Kofler-Texte zu Grundsatzfragen einer marxistisch-sozialistischen Theorie und Praxis aufgenommen wurden. So lesen wir in diesem Sammelband Beiträge zur Kritik des ethischen wie des stalinistischen Sozialismus, zur marxistischen Theorie, zur philosophischen Anthropologie und zu Koflers Bildungstheorie, und wir finden Analysen des in den 1950er Jahren aufkommenden Sozialstaatskapitalismus, zur zeitgenössischen Klassenanalyse und zur Kritik spätbürgerlicher Literatur, zu Bert Brecht, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno und Georg Lukács, aber auch zum in den 1980ern aufkommenden Neoliberalismus und zur Tragik der Grün-Alternativen.

2000

2001

Christoph Jünke (Hrsg.): Am Beispiel Leo Koflers. Marxismus im 20. Jahrhundert

Buchcover „Am Beispiel Leo Koflers“ herausgegeben von Christoph Jünke, 2001 Anfang Mai 2000 kam es an der Bochumer Ruhr-Universität Bochum zu einem großen, dreitägigen und von der Leo Kofler-Gesellschaft veranstalteten wissenschaftlichen Kongress, auf dem fast 20 Referenten mit mehreren hundert Zuhörern über das theoretische Erbe Koflers diskutierten. Die meisten dieser Beiträge sind danach, teils wie sie waren, teils stark überarbeitet, in das von Christoph Jünke im Münsteraner Verlag Westfälisches Dampfboot herausgegebene Sammelwerk Am Beispiel Leo Koflers. Marxismus im 20. Jahrhundert eingegangen, das als gleichsam dritte Festschrift für Kofler verstanden werden kann. Anknüpfend an, aber über Kofler auch hinausgehend, wird in diesem Buch das schwierige und widersprüchliche Vermächtnis verschiedener marxistischer Theorievarianten des vergangenen Jahrhunderts diskutiert. Im ersten Teil finden sich Analysen und Kommentare zur Koflers Theorie und Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft (von Ulrich Brieler und Michael Krätke): Was lässt sich von Koflers historischem Blick auf dieselbe noch lernen? Und an welchen Punkten hat der Zahn der Zeit kräftig genagt? Im zweiten Teil (Beiträge von Jakob Moneta, Günter Brakelmann und Hartmut Krauss) steht das schwierige Verhältnis von Marxismus und Anthropologie im Mittelpunkt: Was zeichnet Koflers sozialistischen Humanismus aus und wie entfaltet er seinen Versuch der erkenntnistheoretischen Grundlegung einer marxistischen Anthropologie? Der dritte Teil versammelt unterschiedliche Beiträge zu verschiedenen Themen der marxistischen Theorie: Von der Reflexion zentraler Begriffe wie Entfremdung und Verdinglichung, Praxis, Ideologie und Ideologiekritik (Rüdiger Dannemann, Sebastian Herkommer, Werner Seppmann und Horst Müller) geht es über Adorno, Marcuse, Bloch und Lukács bis zu Problemen der Ästhetik (Hans Heinz Holz und Wilfried Korngiebel). Im vierten Teil finden sich schließlich Beiträge zum Koflerschen Antistalinismus (Christoph Jünke und Reinhart Kössler), zu seiner Konzeption der Bildungspolitik (Roger Behrens) sowie zu seinem Verhältnis zur Neuen Linken und seiner Theorie der progressiven Elite (Christoph Jünke). Thematisch eingeleitet wird der Band von Wolfgang Fritz Haugs Versuch über Erbe, Aufgaben und Aussichten einer marxistischen Renaissance.

2001

2007

Christoph Jünke: Sozialistisches Strandgut. Leo Kofler – Leben und Werk (1907-1995)

Buchcover „Sozialistisches Strandgut“ von Christoph Jünke, 2007 „Lieber Leo, Hochschulen und Arbeiterbewegung haben Dich gleichermaßen schlecht behandelt. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Öffentlichkeit besinnt, Deine Bücher gebührend anzuerkennen. (…) Du solltest Dich also nicht darüber ärgern, dass alle Welt versucht, Dich vergessen zu machen, sondern eher amüsieren, wie schön an Deinem Beispiel zu sehen ist, dass die Bürokraten der SPD und der Gewerkschaftsbewegung, der SED und der DDR und die Herren ordinierten Professoren so schön parallel reagieren; auf sehr lange Sicht wird ihnen das allen gleichmäßig wenig nützen und es wird einmal eine Zeit kommen, in der sie Dir gebührende Reverenzen in Form eifriger Zitate erweisen. Nur dauert das halt noch ein bis zwei Jahrzehnte.“ Das schrieb Wolfgang Abendroth, der Doyen eines undogmatischen linken Sozialismus im April 1967 an Kofler. Vierzig Jahre später, 2007, erscheint Christoph Jünkes politische Biografie des marxistischen Einzelgängers unter dem Titel Sozialistisches Strandgut. Leo Kofler – Leben und Werk (1907-1995). Erstmals wird damit ein umfassender, 700 Seiten starker Überblick zu Leben und Werk des bedeutenden Sozialphilosophen und Gesellschaftstheoretikers gegeben. Jünkes Werk stellt dessen Leben und Werk in seinen zeitgeschichtlichen Zusammenhang, setzt Koflers Theorieprogramm mit anderen zeitgenössischen sozialistischen Intellektuellen in Beziehung und arbeitet so die Originalität Koflers heraus, ohne dessen theoriepolitische Schwächen zu verschweigen. Das Buch schließt damit nicht nur eine Lücke im linken Kollektivgedächtnis, sondern wird auf diesem Wege auch zu einer originellen Einführung in die Geschichte der sozialistischen Linken und ihre politisch-theoretischen Probleme im 20. Jahrhundert.

2007

2007

Nation – Klasse – Kultur. Aufsätze aus vier Jahrzehnten

2007 erscheint im Wiener Karolinger Verlag, unter dem Titel Nation – Klasse – Kultur. Aufsätze aus vier Jahrzehnten, ein Aufsatzband Koflers, der ohne Erlaubnis von Koflers Witwe Ursula Kofler und unter Verletzung des Urheberrechtes Beiträge Koflers veröffentlicht. Der Band dient dazu, die Kofler-Gesellschaft politisch anzugreifen und Koflers Erbe für die Neue Rechte zu vereinnahmen. Zu diesem Zweck werden Koflers Theorien nicht nur verdreht und verzerrt, sondern auch direkt gefälscht. Mit juristischen Mitteln erreicht Frau Kofler die verlagsmäßige Rücknahme des Buches vom Markt, während die Herausgeber eine langwierige juristische Auseinandersetzung gegen die Kofler-Gesellschaft und ihren Vorsitzenden Christoph Jünke anstrengen, die sie schließlich verlieren. Siehe unser Dossier zum Fall.

2007

2008

Heike Friauf (Hrsg.): Eros und Politik. Wider die Entfremdung des Menschen

Buchcover „Eros und Politik“ herausgegeben von Heike Friauf, 2008 Im Bonner Pahl-Rugenstein-Verlag gibt Heike Friauf 2008 den Sammelband Eros und Politik. Wider die Entfremdung des Menschen heraus, worin sich, neben Beiträgen von Peter Hacks und Werner Sepmann, auch die beiden Kofler-Schriften Der Alltag zwischen Eros und Entfremdung (1982) sowie Eros, Ästhetik, Politik – Thesen zum Menschenbild bei Marx (1985) in gekürzter Fassung neu aufgelegt finden (siehe oben).

2008

2011

Uwe Jakomeit u.a. (Hrsg.): Begegnungen mit Leo Kofler. Ein Lesebuch

Buchcover „Begegnungen mit Leo Kofler“ herausgegeben von Uwe Jakomeit u.a., 2011 Trotz seines umfangreichen schriftlichen Werkes war Leo Kofler vor allem ein Mann der Lehre und der Kunst des mündlichen Vortrags. Am nachhaltigsten wirkte er zeitlebens gerade in der direkten Begegnung, als Lehrer und Freund, als Kollege und Genosse. Und in den mehr als sechzig Jahren seines praktischen Wirkens sind viele tausend Menschen durch seine Schule gegangen, haben das ABC eines undogmatischen Marxismus kennen und schätzen gelernt und sich an einer Ironie erfreut, die man in seinen Schriften zumeist vergeblich sucht. Sie arbeiteten später als Lehrer und Dozenten, als Gewerkschafter oder in den Institutionen des zweiten Bildungsweges, als Journalisten, Künstler oder Politiker, als Juristen oder in der Computerbranche, im Staatsapparat oder in der „freien“ Wirtschaft – selten in hohen Positionen, aber immer mit einer intensiven Erinnerung an jenen Kofler, dem sie intellektuell so viel zu verdanken haben. Sie sind Beispiele für jene von Kofler theoretisierte „progressive Elite“, die sich zumeist in latenter oder offener Opposition gegen den herrschenden Gang der Dinge verortet, ohne damit eine politische Einheit zu bilden.

Dieser von Uwe Jakomeit, Christoph Jünke und Andreas Zolper im Auftrag der Leo Kofler-Gesellschaft 2011 im Kölner PapyRossa-Verlag herausgegebene Band dokumentiert zentrale Spuren dieser Wirkungsgeschichte. Als Lesebuch konzipiert, lädt es ein zum zwanglosen Stöbern und Entdecken, zur Einführung in Leben und Werk, und bietet ein beeindruckendes Panorama biografischer wie intellektueller Begegnungen mit Kofler. In alten wie neuen Texten, in bereits veröffentlichten wie in bislang unveröffentlichten Beiträgen, in Form von Gesprächen, Briefen, Erinnerungen oder Nachrufen erlauben namhafte und weniger namhafte Zeitgenossen einen so vielfältigen wie intimen Einblick in das Wirken und die Wirkung dieses ungewöhnlichen Vordenkers. Es finden sich hier Texte und Beiträge von Wolfgang Abendroth, Johannes Agnoli, Ernst Bloch, Günter Brakelmann, Heinz Brakemeier, Iring Fetscher, Gerhard Gleissberg, Wolfgang Harich, Norbert Hruby, Christian Illian, Uwe Jakomeit, Christoph Jünke, Leo Kofler, Ursula Kofler, Alfred Kosing, Bruno Kreisky, Silvia Lange, Bert Linnartz, Georg Lukács, Ernest Mandel, Günter Maschke, Dieter Matten, Jakob Moneta, Oskar Negt, Theo Pirker, Peter Ruben, Rudolf Sauerzapf, Willi Scherer, Theo Schiffermann, Jürgen Schnitzmeier, Johannes Schradi, Kurt Seliger, Werner Seppmann, Robert Steigerwald, Klaus Vack, Ursula Wendler, Bernard Willms und Lutz Zimmermann. Zahlreiche bislang unveröffentlichte Kofler-Fotos runden dieses Lesebuch ab.

2011

2012

Werner Seppmann: Marxismus und Philosophie. Über Leo Kofler und Hans Heinz Holz

Buchcover „Marxismus und Philosophie“ von Werner Seppmann, 2012 2012 erscheint im Berliner Verlag Kulturmaschinen ein Band, in dem Werner Seppmann am Beispiel Koflers das komplizierte Verhältnis von Marxismus und Philosophie thematisiert. Anlass dieses Buches war ein kleiner, im Jahre 2007 erschienener Text von Hans Heinz Holz, in welchem der Vordenker des westdeutschen Kommunismus über den Leo Kofler nachdachte und dabei vor allem die im gleichen Jahr erschienene Kofler-Biografie von Christoph Jünke ebenso lobte wie kritisierte. Seppmann war mit den Ausführungen von Holz gänzlich uneins und verstand sein Werk entsprechend als Replik und als innermarxistische „Selbstreflektion kritischen Denkens“. So finden wir hier aus der Feder Seppmanns, neben zwei Texten von und zu Holz, einen Aufsatz zu Leben und Werk Koflers („Theoretiker des revolutionären Humanismus“) und eine ausführliche Kritik der Kofler-Kritik von Holz („Abstrakte Geschichtsphilosophie oder konkrete Sozialanalyse?“).

2012

2015

Christoph Jünke: Leo Koflers Philosophie der Praxis. Eine Einführung“

Buchcover „Leo Koflers Philosophie der Praxis“ von Christoph Jünke, 2015 2015 veröffentlichte der Kofler-Biograf Christoph Jünke eine weitere Arbeit, in der er sich in acht Kapiteln einer Einführung in dessen politisch-philosophisches Denken widmet. Behandelt werden hier u.a. Koflers marxistische Philosophieauffassung und ihre Abgrenzung gegen die Frankfurter Schule, seine marxistische Anthropologie, seine Ästhetik-Auffassung, seine Stalinismus-Kritik und seine politische Theorie der progressiven Elite. Jünke nähert sich auf diesem Wege der anhaltenden Aktualität des sozialistischen Humanisten, verdeutlicht die Konturen von dessen Philosophie der Praxis und spannt dabei einen Bogen von der sozialistischen Klassik bis zum Postmodernismus. In einem dieser acht Kapitel geht er auch auf das 2012 veröffentlichte Werk Seppmanns ein und macht ausführliche, kritische „Anmerkungen zu Hans Heinz Holz und Werner Seppmann“.

2015

2021/22

Christoph Jünke: Leo Kofler’s Theory of Praxis: Western Marxism and Socialist Humanism

Buchcover „Leo Kofler’s Theory of Praxis: Western Marxism and Socialist Humanism“ von Christoph Jünke, Haymarket Books 2022 Buchcover „Leo Kofler’s Theory of Praxis: Western Marxism and Socialist Humanism“ von Christoph Jünke, Brill 2021

In der Historical Materialism-Reihe (Band 242) des Amsterdamer Brill-Verlages erscheint 2021, unter dem Titel Leo Kofler’s Theory of Praxis: Western Marxism and Socialist Humanism, eine (gekürzte) englische Ausgabe von Christoph Jünkes Buch Leo Koflers Philosophie der Praxis (siehe oben). Im Anhang dieses Bandes werden erstmals auch sechs Kofler-Aufsätze auf Englisch veröffentlicht. Ein Jahr später erscheint die Paperback-Ausgabe bei Haymarket Books in Chicago.

2021/22

2024

Interventionen. Kleine Schriften zur marxistischen Theorie und Praxis

Buchcover „Interventionen“ von Leo Kofler, 2024 Mit Leo Kofler: Interventionen. Kleine Schriften zur marxistischen Theorie und Praxis legt der Herausgeber Christoph Jünke im Berliner Karl Dietz-Verlag einen neuen Sammelband mit zahlreichen, hier zum ersten Mal in Buchform veröffentlichten, zumeist kurzen Texten Koflers vor. Diese „kleinen Schriften“ bieten eine Auswahl von Koflers politisch-publizistischen Interventionen aus vier Jahrzehnten, reflektieren über sozialphilosophische Grundfragen einer angewandten Gesellschaftstheorie (Arbeit, Ökonomie und Ausbeutung; Demokratie und Liberalismus; Bourgeois und Citoyen; Ethischer Sozialismus; Bürgerlicher und sozialistischer Humanismus; Sozialistischer Bürokratismus; Materialismus und Idealismus; Marxismus und Ethik; Marxismus und Religion; Anthropologie; Kunst und Literatur) und führen auf ebenso entspannte wie vertiefende Weise in Koflers neomarxistische Begriffswelt ein (Entfremdung, Fetischismus und Verdinglichung; Freiheit und Fortschritt; Herr und Knecht; Konservative und progressive Elite; Ideologie; Nihilismus und Hoffnung; Pauperismus; Vermaterialisierung; Vergeistigung der Herrschaft; Totalität; Utopie; Der schöne Mensch).

2024
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